Tages- und Festgeld – trotz Krise ein rentabler Weg für Sparer?

So wichtig das Thema „Geld anlegen“ in jungen Jahren im Sinne einer sinnvollen Altersvorsorge ist: Bedarfsgerechte Anlageentscheidungen sind auch und gerade dann ein zentrales Thema, wenn es um die Schaffung eines sicheren finanziellen Fundaments im höheren Alter geht. Das Dilemma: Wer dieser Tage – und im Grunde schon seit mehreren Jahren – frei verfügbares Kapital gewinnbringend anlegen möchte, hat es derzeit denkbar schwer. Klassische Anlagemodelle, wie Tages- oder Festgeld, Sparkonten und ähnliche Produkte des Finanzmarktes, befinden sich aufgrund historisch niedriger Zinsen in einer schwierigen Situation.

Angesichts der Berichte über die seit Jahren zurückhaltende Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erscheinen dir mögliche Sparmaßnahmen über Tages- und Festgeldkonten oft wenig zielführend. Den Nutzen solcher Finanzprodukte solltest du in Verbindung mit einem breit gestreuten Portfolio aber keineswegs und nie unterschätzen. Ganz so einfach fällt das Abwägen von Vor- und Nachteilen nämlich nicht immer. Und das aus gleich mehreren Gründen.

Inhaltsverzeichnis

Konten mit Festzins können das Portfolio angemessen ergänzen

Die von Experten empfohlene Streuung der Anlagerisiken (Stichwort: Diversifikation) verlangt von dir als Anleger, den Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand. Aktien und Anleihen locken mit stattlichen Renditen, sollten aber nur ein Aspekt bei der Vermögensverwaltung sein. Gerade Anlegerinnen und Anleger, die Erspartes nicht auf unbestimmte Zeit investieren möchten, entdecken im Bereich Tages- und Festgeld (kurzfristige) Gelegenheiten für Investitionen.

Wer sein Geld frühzeitig für andere Zwecke benötigt, stößt bei Tages- und Feldgeldkonten auf flexiblere Lösungen. Und ein vorzeitiger Abschied vom langfristigen Sparen ist mitunter schneller nötig, als du es dir vielleicht vorstellen kannst. Eine dringend erforderliche Umschichtung des Anlageportfolios, unvorhergesehene Ausgaben und Reparaturen im Haushalt … die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Festgeld und Tagesgeld sorgen für Streuung des Anlagerisikos

Aktien und andere Wertpapiere lassen sich bei akuten Entscheidungen oft nur mit Verlusten veräußern – zumindest, wenn die Kurse deiner Papiere nicht zufällig kurz vor dem Verkauf satt im Plus liegen. Zumal: Aspekte wie gesetzlich vorgeschriebene Haltefristen (die an anderer Stelle noch eingehender thematisiert werden) wirken sich auf deine Steuerpflicht aus.

So kann ein Verkauf deutlich größere Folgen als nur einen drohenden Veräußerungsverlust nach sich ziehen. Freilich spielen Steuerregelungen auch bei Gewinnen aus Tages- und Festgeld eine Rolle. Über die Kapitalertragssteuern und die weiter unten beschriebenen Vorfälligkeitsgebühren hinaus kann dir deinen Gewinn aber niemand nehmen!

Geld auf dem normalen Konto verursacht derzeit vor allem Kosten

Dass Tagesgeldkonten hierzulande seit einiger Zeit nur noch geringe Renditen einbringen, ist zwar ein offenes Geheimnis. Lass uns an dieser Stelle Licht dennoch ins Dunkel bringen: Bankkunden zahlten in den letzten Jahren beim klassischen Bankkonto zunehmend Gebühren, allein für die Aufbewahrung und Verwaltung.

Die Obergrenzen für die zinsfreie Kontoführung variieren dabei zum Teil deutlich. Einige Institute berechnen Verwahrgebühren bereits ab Summen von 20.000 Euro, andere Anbieter sehen solche erst ab Summen von 50.000 Euro und mehr vor. Das verbindende Element „normaler“ Konten ist indes, dass Guthabenzinsen fast flächendeckend vom Markt verschwunden sind.

Wann wird die Europäische Zentralbank endlich aktiv?

Trotz der erwarteten Kehrtwende der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank infolge der angekündigten Schritte der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve (FED) dürften viele deutsche Banken für längere Zeit an ihren bisherigen Entscheidungen festhalten und auf die Verzinsung von Guthaben verzichten. Doch es gibt erste Signale, die auch in Europa wegen der hohen Inflationsrate allmähliche Anhebungen der Leitzinssätze nahelegt. Eine ganze Reihe von Banken reagiert und schafft Verwahrentgelte schrittweise ab.

Eine Zunahme der Kontoanbieter, die sich ebenfalls für eine Änderung ihrer Geschäftspolitik entscheiden, wird immer wahrscheinlicher. Die Erfahrung zeigt aber, dass es im Normalfall eine ganze Weile dauert, bis höhere Zinsen auch bei Endkunden ankommen. Umso erfreulicher ist es, wenn du erst einmal ein Angebot mit einem überdurchschnittlich hohen Jahreszins gefunden hast.

Rücklagen auf dem Bankkonto – der schlechteste Ansatz für Sparer

Die Lagerung ungenutzter Gelder auf dem Bankkonto ist dieser Tage wie gesagt vor allem immer noch eines: Ein Kostenfaktor, der das genaue Gegenteil eines lohnenden Investments darstellt. Branchenkenner betonen schon deshalb trotz geringer Erträge die Vorteile von Tagesgeldkonten und Angeboten – mit mehr oder minder langfristig garantierter Verzinsung aus der Sparte der Festgeldkonten.

Wichtig

Die wichtigste Überlegung für Sparer ist:

Wie lange kann ich auf fest angelegtes Kapital verzichten?

Die zentralen Vorteile von Festgeld im Detail:

• Banken garantieren eine stabile Verzinsung während des Anlagezeitraumes
• Anbieter bieten viel Spielraum von wenigen Monaten bis zu zehn Jahren
• Kontoführungsgebühren sind üblicherweise nicht vorgesehen
• Angebote versprechen immerhin geringe Rendite
• Konten können gegen Gebühren auch vorzeitig aufgelöst werden

Mit Tagesgeld bleibst du im direkten Vergleich noch handlungsfähiger, bekommst im Gegenzug aber meist auch spürbar geringere Zinsen. Ein Vergleich der Angebote ist hier wie dort unverzichtbar, wenn es um Kosten für einen schnelleren Zugriff auf die Reserven auf Konten mit längeren Sparvereinbarungen geht.

Augen auf bei der Entscheidung für frühere Auszahlungen

Hier geht es um die besagten Vorfälligkeitsgebühren. Vielen Verbrauchern ist die Gebühr vermutlich im Zusammenhang mit Kreditverträgen ein Begriff. Kreditinstitute berechnen bei vorzeitiger Ablösung in vielen Fällen Gebühren. Diese dienen den Anbietern der Konten als Ersatz für Zinsausfälle. Bei Festgeldkonten begründen Banken derlei Entgelte mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand und der Tatsache, dass ihnen abgerufene Gelder nicht wie geplant für eigene Investitionen und Geschäfte zur Verfügung stehen.

Genaues Vergleichen lohnt sich bei Festgeldkonten im Übrigen auch hinsichtlich der Zinsausschüttung. Manche Bank überweist Zinsen monatlich, pro Quartal oder Jahr direkt und automatisch auf das Referenzkonto. In anderen Fällen werden Zinsen dem eigentlichen Sparbetrag hinzugefügt – so erzielst du als Kontonutzer einen Zinseszinseffekt. Die angelegte Sparsumme steigt dank dieses Ansatzes samt der erzielten Rendite sukzessive.

Während eine Abhebung vom Tagesgeldkonto auf den vereinbarten Zinssatz (der sich jedoch schnell während der Laufzeit ändern kann) keinen Einfluss hat, verhält sich die Lage beim Festgeld mitunter wesentlich anders. Entscheidest du dich früher als gedacht für die Auflösung deines Festgeldkontos, kann es passieren, dass deine Zinserträge zumindest für das laufende Vertragsjahr verfallen.

Vergleichsportale sorgen für mehr Konkurrenz und Transparenz bei Tages- und Festgeld

Gerade Anlegerinnen und Anleger, die vollständig oder anteilig Geld über Tagesgeld- und Festgeldkonten investieren möchten, profitieren in der digitalen Welt von Vergleichsangeboten und Vermittlern. Wir möchten an dieser Stelle natürlich keine Namen nennen. Die großen Vertreter der Branche dürften dir dank großangelegter Werbeaktivitäten aber durchaus vertraut sein.

So stößt du nicht nur auf deutsche Kontoanbieter, bei denen dein Geld in jedem Moment sicher aufgehoben ist. Außerhalb Deutschlands wirbt manche Bank mit spürbar höheren Zinssätzen um Neukunden.

Wer im Ausland auf eigene Faust nach guten Angeboten sucht, wird etliche gute Angebote übersehen. Denn die Ergebnisse der großen Suchmaschinen führen vielfach eher zu Kontomodellen führender Banken und Dienstleister – hohe Zinsversprechen kleinerer „Nischenbanken“ entgehen dir bei dieser Vorgehensweise hingegen vielfach.

Das Thema Einlagensicherung beim (Festgeld-) Sparen im Ausland

Handelt es sich bei gut verzinsten Konten um Offerten von Anbietern aus der Europäischen Union, bist du als Kundin oder Kunde in spe auf der sprichwörtlich sicheren Seite, sollte die kontoführende Bank in wirtschaftliche Schieflage geraten. Der EU-Gesetzgeber sorgt diesbezüglich für klare Verhältnisse. Deine Einlagen sind hier bis zu einer Höhe von 100.000 Euro (200.000 Euro bei gemeinschaftlich geführten Konten) durch staatliche Einlagensicherungsmechanismen gegen einen Ausfall geschützt.

Problematisch kann es allerdings werden, wenn du dein Geld Banken aus Nicht-EU-Ländern anvertraut haben solltest.

Tipp

Informieren Festgeldanbieter nicht offen und ehrlich über das Thema Einlagensicherung, solltest du im eigenen Interesse auf Investitionen bei den besagten Dienstleistern verzichten!

Dem Kleingedruckten des Vertrages wirst du entnehmen, welche Regeln im Einzelfall gelten. In Teilen liegen die Absicherungsgrenzen in einigen Ländern deutlich unter den Garantien in Deutschland, der Eurozone und der EU.

Deshalb gehören Festgeldkonten und Tagesgeld nicht zum „alten Eisen“

Zusammenfassend möchten wir zum Ende unseres Ratgebers nochmals auf Aussagen vieler Experten hinweisen: Tages- und Festgeld haben längst nicht ausgedient. Allein, Zinssätze in Höhe von drei Prozent und mehr dürfte es in dieser Sparte des Finanzmarktes auch nach Zinsanpassungen der Zentralbanken einstweilen nicht geben. Dazu fällt die erste Anhebung der Leitzinsen durch die EZB um 0,50 Prozent vorerst schlicht zu gering aus. Als Beimischung für dein Portfolio aber eignen sich Angebote beider Bereiche noch immer.

Als Credo ließe sich sagen:

Eine geringe Rendite ist besser als gar keine Rendite. Unterm Strich bleibt vor allem der vergleichsweise kurzfristige Anlagehorizont ein wesentlicher Vorteil. Selbst im Falle vorzeitiger gebührenpflichtiger Auszahlungen von Festgeld-Ersparnissen bleibt dir immerhin ein kleiner Gewinn erhalten.

Dass der Ertrag in aller Regel kein vollständiger Inflationsausgleich sein wird, stimmt zwar. Geld ungenutzt auf dem Bankkonto liegenzulassen, ist bei genauer Betrachtung jedoch eine weitaus schlechtere Alternative. In einer Phase der Orientierung und Suche nach neuen lukrativen Anlage-Möglichkeiten für dein mühsam angespartes Geld in schwierigen Marktphasen können sowohl Tages- als auch Festgeldkonten ein sinnvoller Weg zur Überbrückung sein. Durch einen regelmäßigen Kontowechsel und das Ausnutzen neuer, besserer Offerten kannst du nach und nach deinen Ertrag steigern. Die nächste Anpassung auf dem Markt kommt bestimmt!

Bitte rechnen Sie 1 plus 3.

Quellen & Hinweise

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