Hausstauballergie: Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Prognose der Allergie gegen Hausstaubmilben

Der landläufig verwendete Begriff „Hausstauballergie“ ist irreführend. Denn Hausstauballergiker sind nicht auf Hausstaub im Allgemeinen allergisch. Die Allergie besteht gegen die so genannten Hausstaubmilben, deren Kot sowie abgestorbene Milben, die sich – auch – im Hausstaub finden. Allerdings finden sich Kot und Überreste der kleinen Spinnentiere nicht nur im Hausstaub, sondern gerade auch in Matratzen, Vorhängen, Teppichen und Kuscheltieren. Die korrekte Bezeichnung lautet: Hausstaubmilbenallergie. Die Leitsymptome der Hausstaubmilbenallergie sind juckende, brennende Augen, Fließschnupfen oder eine verstopfte Nase und Husten und ähneln daher sehr denen vom Heuschnupfen. Wie also lassen sich die Allergien voneinander abgrenzen? Wie lässt sich eine Hausstaubmilbenallergie behandeln? Und was können Betroffene selbst unternehmen?

Inhaltsverzeichnis:

  • Hintergrund: Was ist eine Hausstaubmilbenallergie?
  • Hausstauballergie erkennen: Was sind die Symptome?
  • Verdacht bestätigen: Wie wird (beim Arzt) die Diagnose gestellt?
  • Auslösende Faktoren: Wie entsteht eine Hausstaubmilbenallergie?
  • Beschwerden lindern: Wie wird die Hausstauballergie behandelt?
  • Selbst aktiv werden: Was können Betroffene selbst unternehmen?
  • Prognose: Wie ist der Krankheitsverlauf mit und ohne Therapie?
  • Tipps für Senioren: Welche Besonderheiten gilt es zu bedenken?

Hintergrund: Was ist eine Hausstaubmilbenallergie?

Bei der so genannten Hausstauballergie reagieren Betroffene nicht primär auf den Hausstaub allergisch, sondern auf ganz bestimmte Komponenten im Hausstaub. Hausstaub setzt sich sehr vielfältig zusammen. Zu den am häufigsten anzutreffenden Inhalten zählen:

  • Textilfasern
  • Pilzsporen
  • Bakterien
  • Nahrungsmittelreste
  • Organische Verbindungen (u.a. Pestizide)
  • Bromidverbindungen (u.a. Lacke)
  • Phtalate (u.a. Weichmacher)
  • Menschliche Hautschuppen
  • Tierische Hautschuppen und abgestorbene Tiere sowie der Kot der Tiere

Hausstaubmilbenallergiker reagieren auf den Kot und die Überreste der Hausstaubmilben, die sich in unterschiedlicher Konzentration im Hausstaub und an anderen Stellen im Haus finden.

Was sind Hausstaubmilben?

Hausstaubmilben gehören zu der Gattung der Spinnentiere. Es gibt rund 200 unterschiedliche Arten von Milben. Die Hausstaubmilbenallergie wird vor allem durch zwei Milbenarten ausgelöst:

  • die Hausstaubmilbe
  • und die Vorratsmilbe.

Die kleinen Spinnentierchen sind mikroskopisch klein. Sie messen gerade einmal 0,1 bis 0,5 Millimeter und sind nur unter dem Mikroskop zu erkennen.

Die Hausstaubmilbe findet sich überall dort in der Wohnung, wo sie in unmittelbarem Kontakt zum Menschen leben kann. Denn Hausstaubmilben ernähren sich vorrangig von losen Hautschuppen von Menschen. Dementsprechend sind die bevorzugten Aufenthaltsorte von Hausstaubmilben:

  • Matratzen
  • Kissen und Decken
  • Kuscheltiere

Vorratsmilben sind dort zu finden, wo Lebensmittel aufbewahrt werden. Also in Schränken, Vorratsräumen sowie im Keller.
Der Kot der Hausstaub- und Vorratsmilben sowie tote Milben finden sich jedoch auch im allgemeinen Hausstaub sowie in allen „Staubfängern“: Vorhängen, Wandteppichen, Teppichen, offen aufbewahrten Kleidungsstücken, offenen Bücherregalen.

Wie sehen die Lebensbedingungen von Hausstaubmilben aus?

Hausstaubmilben leben in der Nähe von Menschen, also in Häusern und Wohnungen sowie Hotels etc. Sie bevorzugen ein warmes, feuchtes Umfeld mit Temperaturen von 25 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 65 bis 80 Prozent. Die Haupt-Fortpflanzungszeit der Spinnentiere ist zwischen Mai und Oktober. Wenn im Herbst und Winter Innenräume beheizt und seltener gelüftet werden, sinkt die Luftfeuchtigkeit so weit herab, dass die meisten Tiere absterben. Die Überreste der Milben finden sich dann als Bestandteil im Hausstaub.

Hausstauballergie erkennen: Was sind die Symptome?

Die Hausstauballergie betrifft vor allem die Schleimhäute von Augen, Nase und Bronchien aber auch die Haut. Die Leitsymptome sind:

  • Augen: Rötung, Juckreiz, vermehrtes Tränen
  • Nase: Fließschnupfen, verstopfte Nase
  • Bronchien: verschleimter Husten, allergisches Asthma bis hin zur Atemnot
  • Haut: Juckreiz, Ausschlag, Nesselsucht mit Schwellungen

Diese Symptome sind jedoch recht unspezifisch. Vor allem können diese mit den Symptomen einer Pollenallergie verwechselt werden. Allerdings lässt sich eine Hausstaubmilbenallergie anhand weiterer Parameter relativ leichte von einer Pollenallergie unterscheiden. Für eine Hausstauballergie spricht:

  • Symptome treten das ganze Jahr über auf und nicht nur zu bestimmten Zeiten im Jahr.
  • Symptome sind im Haus stärker als draußen.
  • Symptome haben ihren Höhepunkt im Herbst und Winter

Verdacht bestätigen: Wie wird (beim Arzt) die Diagnose gestellt?

Wenn Betroffene den Verdacht haben, an einer Hausstauballergie zu leiden, sollten sie nicht einfach zu in der Apotheke frei verkäuflichen Mitteln greifen. Um sicher zu gehen, was die Symptome auslöst, sollte eine Abklärung beim Arzt erfolgen. Der richtige Ansprechpartner ist immer zunächst der Hausarzt. Die Weiterbehandlung erfolgt dann durch eine Arzt, der eine Zusatzausbildung im Bereich Allergologie hat.

  • Anamnesegespräch: Hierbei handelt es sich um das Arzt-Patientengespräch. Der Arzt stellt Fragen zu den Symptomen, weiteren bestehenden Erkrankungen sowie Allergien im familiären Umfeld.
  • Allergietagebuch: Um eine genaue Diagnose stellen und insbesondere eine Abgrenzung von der Pollenallergie vornehmen zu können, macht es Sinn ein Allergietagebuch zu führen. Hier trägt der Betroffene jeden Tag ein, zu welchem Zeitpunkt und in welchen Situationen Beschwerden auftreten.
  • Haut-Allergietest: Hierbei wird die Haut leicht angeritzt und eine Lösung mit den Allergenen aufgeträufelt. Nach einer Einwirkungszeit wird das Ergebnis abgelesen.
  • Provokationstest: Dieses Testverfahren ähnelt dem Hautallergietest. Allerdings werden die Allergene bei diesem Testverfahren direkt auf die Nasenschleimhaut aufgetragen. Da die Reaktionen hier besonders stark ausfallen können, darf ein Test nur unter Aufsicht eines Arztes (in Arztpraxis) durchgeführt werden.
  • Blutuntersuchung: Je nach Art des Testverfahrens gibt ein solcher Bluttest darüber Aufschluss, ob überhaupt eine Allergie vorliegt oder aber ob eine Allergie gegen spezifische Stoffe, also beispielsweise Hausstaubmilben, gegeben ist.

Auslösende Faktoren: Wie entsteht eine Hausstaubmilbenallergie?

Die Spinnentiere an sich sind für den Menschen harmlos. Wie bei allen Allergien handelt es sich auch bei der Hausstaubmilbenallergie um eine Überreaktion des Immunsystems: Die Eiweiße der Hausstaubmilben werden fälschlicher Weise als schädliche Stoffe wahrgenommen und das Immunsystem speichert dann diese Information ab. Bei jedem weiteren Kontakt löst das Immunsystem eine körpereigene Abwehrreaktion aus. Hierbei wird Histamin in großer Menge freigesetzt, um den vermeintlichen Angreifer zu bekämpfen. Das Histamin löst die oben beschriebenen Symptome aus.

Beschwerden lindern: Wie wird die Hausstauballergie behandelt?

Es gibt mehrere Behandlungsansätze, um den Beschwerden einer Hausstaubmilbenallergie vorzubeugen beziehungsweise diese zu reduzieren. Etliche Medikamente sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Trotzdem sollten Betroffene nicht einfach zur Selbstmedikation greifen.

Diese Medikamente stehen zur Akutbehandlung zur Verfügung:

  • Antihistaminika: Diese Medikamente gibt es als Nasensprays und als Tabletten. Sie hemmen die Ausschüttung des Histamins, das die Allergie-Symptome auslöst.
  • Kortison / Glukokortikoide: Als Nasenspray verabreicht bewirken diese Medikamente ein Abschwellen der Nasenschleimhäute. Eine Langzeitanwendung sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
  • Alpha-Sympathikomimetika / abschwellendes Nasenspray: Diese Medikamente bieten eine Soforthilfe gegen eine verstopfte Nase. Wegen eines Gewöhnungseffektes und weiterer Nebenwirkungen, sollten diese jedoch nur fünf bis maximal sieben Tage angewendet werden.
  • Leukotrien-Antagonisten: Diese rezeptpflichtigen Tabletten hemmen Botenstoffe, die im Rahmen einer Entzündungsreaktion in den Atemwegen beteiligt sind. Sowohl allergischer Schnupfen als auch Asthma-Symptome werden dadurch gelindert.
  • Mastzellstabilisatoren/Cromone: Diese Medikamente hemmen die Ausschüttung von Histamin aus den Mastzellen. Dieser Wirkstoff kann auch als Nasenspray oder Augentropfen verabreicht werden.

Durch die so genannte Hyposensibilisierung kann das Immunsystem wieder erlernen, dass es sich bei Hausstaubmilben nicht um schädliche Stoffe handelt. Dadurch werden die Beschwerden deutlich gelindert oder verschwinden sogar für ein bis zwei Jahre ganz.

  • Die Hyposensibilisierung erfolgt beim Arzt. Während der Behandlung erhält der Patient stetig steigende Dosen von dem Allergen. Das Allergen kann entweder unter die Haust gespritzt (subkutane Immuntherapie) oder als Tropfen oder Tabletten (sublinguale Immuntherapie) verabreicht werden.

Selbst aktiv werden: Was können Betroffene selbst unternehmen?

Betroffene können selbst einiges unternehmen, um ihre Symptome möglichst gering zu halten. Grundsätzlich geht es bei allen nachfolgend dargestellten Maßnahmen darum, die Belastung mit dem Allergen „Hausstaubmilbe“ so gering wie möglich zu halten. Nicht alles ist im Alltag immer umsetzbar. Aber bereits die Umsetzung einiger Maßnahmen kann zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen.

  • Weniger Polstermöbel, Vorhänge etc.: Hausstaubmilben leben in Matratzen, Polstermöbeln, schweren Vorhängen, Kuscheltieren, Teppichen. Daher sollten Hausstaubmilben-Allergiker möglichst ihre Wohnzimmer-Garnitur auf eine Leder-Garnitur umstellen, auf Teppiche verzichten und lieber leichte statt schwere, dichte Vorhänge verwenden.
  • Wenn Polstermöbel und Co – dann gründliche Reinigung (Vollwaschgang): Um die Population der Hausstaubmilben in Polstermöbeln, Teppichen und Co. gering zu halten, sollten diese sehr regelmäßig gründlich abgesaugt und, wo immer möglich, regelmäßig gewaschen werden.
  • Vorsichtsmaßnahmen beim Saubermachen: Damit die Belastung mit dem Allergen beim Saubermachen gering gehalten wird, ist feuchtes Wischen besser als die Verwendung von trockenen Staubtüchern. Beim Staubsaugen können spezielle Filtersysteme genutzt werden. Auch das Tragen von FFP2-Masken kann die Allergenbelastung reduzieren.
  • Alternative Milbenentfernung von Nicht-Waschbarem: Dinge wie Kuscheltiere, die nicht im Vollwaschgang gereinigt werden können, sollten für 12 Stunden eingefroren und anschließend im Handwaschgang gereinigt werden.
  • Milbenfreie Raumluft: Gerade im Winter, wenn Türen und Fenster meist geschlossen sind, ist das regelmäßige Stoßlüften wichtig.
  • Milbenbelastung im Schlafzimmer reduzieren: Ein spezieller Matratzenbezug (Encasing) hilft, die Milbenbelastung in der Matratze deutlich zu reduzieren. Betten sollten regelmäßig bezogen werden. Bei Kissen und Decken ist darauf zu achten, dass diese im Vollwaschgang waschbar sind. Topfpflanzen im Schlafzimmer erhöhen die Raumtemperatur und tragen so zu einem Klima bei, in dem Hausstaubmilben besonders gut gedeihen.
  • Verzicht auf Raumbefeuchter und Klimaanlagen: Der Grund ist, dass beides zu einem Raumklima beiträgt, in dem sich Milben wohlfühlen.

Prognose: Wie ist der Krankheitsverlauf mit und ohne Therapie?

Durch die Einhaltung der vorbeugenden Maßnahmen wird die Belastung mit Hausstaubmilben bereits deutlich gesenkt. In leichten Fällen einer Hausstauballergie ist dies oft schon ausreichend. Bei stärkeren Beschwerden helfen, nach Absprache mit dem Arzt, die oben dargestellten Medikamente. In schweren Fällen hilft die Hyposensibilisierung. Wenn sich Betroffenen an dieses dreistufige Vorgehen halten, ist die Hausstaubmilbenallergie in der Regel gut beherrschbar.

Wichtig zu wissen: Bei vielen Hausstauballergiker besteht eine so genannte Kreuzallergie auf Schalentiere. Vom Verzehr ist daher abzuraten. Unbehandelt kann es bei der Hausstaubmilbenallergie zu dem so genannten Etagenwechsel kommen. Dann entwickelt sich ein allergisches Asthma, was eine schwere gesundheitliche Belastung darstellt.

Tipps für Senioren: Welche Besonderheiten gilt es zu bedenken?

Auswahl von Urlaubszimmern; Haut im Alter trocken – oft eincremen; Hilfe beim regelmäßigen Betten beziehen in Anspruch nehmen.

Problematisch an Hausstauballergien im Seniorenalter ist, dass im fortgeschrittenen Alter häufig weitere Grunderkrankungen bestehen. Hierdurch verstärken sich Symptome, was die Lebensqualität weiter einschränkt. Die konsequente Umsetzung der Maßnahmen zur Reduktion der Milbenbelastung zuhause ist daher besonders wichtig.

Hier einige Tipps, die insbesondere für Senioren wichtig sind:

  • Hautpflege: Hausstaubmilben ernähren sich von Hautschuppen. Daher ist es wichtig, die Haut regelmäßig einzucremen. So wird den Milben Nahrung entzogen. Außerdem ist eine raue Haut anfälliger für Ekzeme.
  • Urlaub von den Milben: In Regionen über 1500 Meter sowie im Wüstenklima gibt es weit weniger Milben. Ein Urlaub in diesen Regionen ist also auch eine Auszeit von der Milbenbelastung zuhause.
  • Milbenfreies Hotel: Es gibt Hotels, die mit milbenfreien Hotelzimmern werben. Ansonsten ist es wichtig, Staubfänger (wie Überdecken) im Hotelzimmer für die Zeit des Aufenthaltes wegzuräumen.
  • Wechselwirkungen von Medikamenten: Werden aufgrund von bestehenden Vorerkrankungen bereits Medikamente eingenommen, muss darauf geachtet werden, ob zwischen diesen und Medikamenten gegen die Hausstauballergie eine schädliche Wechselwirkung besteht.

Quellen

https://www.netdoktor.de/krankheiten/hausstauballergie/
https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/hausstaubmilbenallergie/krankheitsbild/
https://allergiecheck.de/allergie-ausloeser/hausstaubmilbenallergie
https://www.uniklinikum-dresden.de/de/presse/aktuelle-medien-informationen/milben-allergie-studien-sind-bester-therapieform-auf-der-spur
https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/hausstaubmilbenallergie/verbreitung.html

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