Heuschnupfen: Wodurch wird er ausgelöst, was sind die Symptome und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

„Jede Verharmlosung des Problems verbietet sich angesichts der dokumentierten Situation“, schrieb das Robert-Koch-Institut bereits 2016 zum Thema „Allergieproblem in Deutschland“. Denn: Bei einem Drittel aller Deutschen tritt im Laufe des Lebens eine Allergie auf. 15 Prozent erhalten die Diagnose Pollenallergie [1] . Experten gehen davon aus, dass diese Zahlen in den kommenden Jahrzehnten insbesondere auch durch die Einflüsse des Klimawandels noch deutlich weiter steigen werden [2] . Heuschnupfen ist eine Volkskrankheit, die die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränkt. Hinzu kommt, dass sich auf Dauer ohne Behandlung der Polenallergie ein allergisches Asthma entwickeln kann. In diesem Artikel werden die Fragen beantwortet, was genau Heuschnupfen ist, wie er sich behandeln lässt und was Betroffene selbst unternehmen können.

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Inhaltsverzeichnis:

  • Begriffsbestimmung: Was genau ist Heuschnupfen?
  • Symptome: Wie äußert sich eine Pollenallergie?
  • Verlauf: Wie sieht die Prognos e bei einer Polenallergie aus?
  • Ursachen: Wodurch wird Heuschnupfen ausgelöst?
  • Diagnose: Wie stellt der Arzt fest, ob eine Pollenallergie vorliegt?
  • Behandlung: Wie lassen sich die Symptome einer Pollenallergie lindern?
  • Eigene Maßnahmen: Was können Betroffene selbst unternehmen?
  • Pollenallergie bei Senioren: Was gibt es hier zu beachten?

Begriffsbestimmung: Was genau ist Heuschnupfen?

Der Heuschnupfen wird von Medizinern als Pollenallergie oder saisonale allergische Rhinitis bezeichnet. Es handelt sich bei der Pollenallergie, anders als der Name vermuten lässt, nicht um eine Allergie auf Heu. Vielmehr besteht bei einer Pollenallergie eine Überempfindlichkeit des Immunsystems auf Eiweiße unterschiedlicher Pflanzenpollen. Allerdings können auch andere Pflanzeneiweiße, die denen der Pollen verwandt sind, die Symptome einer Pollenallergie auslösen.

Die Bezeichnung „saisonale“ allergische Rhinitis bezieht sich darauf, dass Pflanzenpollen nicht das ganze Jahr über fliegen: Jede Pollenart hat ein bestimmtes Zeitfenster im Jahr, in dem diese unterwegs sind. Manche Pflanzen verteilen ihre Pollen dabei nur wenige Wochen, andere über Monate hinweg. Insgesamt erstreckt sich die Zeit, in der eine Pollenbelastung in der Luft besteht inzwischen aufgrund von Klimawandel und Verbreitung ausländischer Pflanzen auf zehn Monate im Jahr: Nur von Mitte Oktober bis Mitte Dezember ist Pollenbelastung durch Pflanzen kein Thema.

Zu bedenken sind folgende Aspekte:

  • Pollenallergiker sind fast nie auf alle Pollen allergisch, die im Jahresverlauf unterwegs sind. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass die Belastung durch Pollen über den Zeitraum von 10 Monaten besteht.
  • Wie lange die jeweilige Pollensaison ist, hängt von regionalen Unterschieden sowie vom Wetter, also Temperaturen, Sonnenscheindauer, Regen etc. ab. Denn diese Faktoren entscheiden darüber, wann eine Pflanze zu wachsen beginnt und dann auch der entsprechende Pollenflug einsetzt.

Symptome: Wie äußert sich eine Pollenallergie?

Eine Pollenallergie betrifft mehrere Organe des Körpers. Symptome treten insbesondere im Bereich der Atemweg, der Schleimhäute sowie der Haut auf. Die Symptome der Pollenallergie sind jedoch unspezifischer Natur. Allein auf der Grundlage dieser Symptome kann nicht entschiede werden, ob es sich um Heuschnupfen handelt. Denn auch andere Allergene, wie beispielsweise Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare, können die gleichen Symptome verursachen.

Die Leitsymptome beim Heuschnupfen sind:

  • Niesattacken
  • Fließschnupfen aber auch verstopfte Nase
  • Juckende, brennende, gerötete Augen

Hinzukommen können aufgrund dieser Beschwerden folgende Symptome:

  • Unangenehmer Juckreiz im Hals
  • Brennen im Hals
  • Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich wie beispielsweise eine Nasennebenhöhlenentzündung

Im Rahmen des sogenannten Etagenwechsels von den oberen auf die unteren Atemwege können weitere Symptome hinzutreten:

  • Husten
  • Anfälle mit Atemnot
  • Allergisches Asthma

Auch im Bereich der Haut können Symptome auftreten beziehungsweise vorhandene Beschwerden durch Heuschnupfen verschlimmert werden:

  • Trockene, juckende Haut
  • Verschlimmerung von Hauterkrankungen, darunter insbesondere Neurodermitis oder Nesselsucht

Verlauf: Wie sieht die Prognose bei einer Polenallergie aus?

Eine Pollenallergie kann grundsätzlich in allen Lebensphasen auftreten. Oftmals treten Pollenallergien erstmals im Kinder- und Jugendalter auf, doch auch im Seniorenalter kann eine Pollenallergie beginnen. Grundsätzlich können Polenallergien auch wieder von selbst verschwinden. Es besteht jedoch immer das Risiko des so genannten Etagenwechsels: Das bedeutet, dass die Pollen nicht nur die oberen Atemwege, die Augen und die Haut betreffen, sondern auch die Bronchien. Daraus kann sich dann ein Asthma entwickeln. Da asthmatische Anfälle akut lebensbedrohlich verlaufen können, sollte eine Pollenallergie immer behandelt werden. Spätestens bei Warnsymptomen, also wenn Husten und Atemnot durch Pollen ausgelöst werden, muss ein Arzt kontaktiert werden.

Ursachen: Wodurch wird Heuschnupfen ausgelöst?

Bei Heuschnupfen handelt es sich, wie bei allen Allergien, um eine Überreaktion des Immunsystems auf in der Regel harmlose Stoffe. Das Immunsystem erkennt die Eiweiße der Pollen und identifiziert diese fälschlicherweise als Krankheitserreger. Als Folge wird das so genannte Histamin ausgeschüttet, das die oben beschriebenen Symptome verursacht.

Warum ein Mensch eine Pollenallergie entwickelt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Genetische Ursachen: In diesen Fällen wird die Neigung, Allergien zu entwickeln, vererbt. Je mehr Familienmitglieder (insbesondere Eltern und Geschwister) eines Menschen an einer Allergie leiden, desto höher das Risiko, dass auch das Kind eine Allergie entwickelt.
  • Giftstoffe wie Nikotin und Feinstaub von Autoabgasen etc.: Kinder, die in der Stadt und an großen, viel befahrenen Straßen aufwachsen oder in Haushalten mit Rauchern, haben ein erhöhtes Allergierisiko. Insbesondere die Nikotinbelastung wirkt bereits auf das ungeborene Kind.
  • Übertriebene Hygiene [3] : Diese Ursache ist nicht unumstritten. Es gibt jedoch Forscher, die davon ausgehen, dass zu viel Hygiene während der Kindheit der Entwicklung des Immunsystems schadet. Da das Immunsystem zu wenig echte Krankheitserreger bekämpfen muss, sucht es sich harmlose Stoffe, die es bekämpft. Als Beleg gilt, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, weniger Allergien entwickeln, als Kinder in der Stadt.

Diagnose: Wie stellt der Arzt fest, ob eine Pollenallergie vorliegt?

Besteht der Verdacht, dass eine Pollenallergie besteht, sollte dies von einem Facharzt abgeklärt werden. Es gibt unterschiedliche Facharztrichtungen, die die Zusatzbezeichnung im Bereich Allergologie führen können:

  • Hausärzte und Kinderärzte
  • Internisten
  • Hals-Nasen-Ohren-Ärzte
  • Lungenfachärzte

Im ersten Schritt wird der Arzt die so genannte Anamnese erheben. Hierfür wird ein ausführliches Patientengespräch geführt, bei dem es um folgende Fragen geht:

  • Wie sehen die Beschwerden konkret aus?
  • In welchen Situationen treten die Beschwerden auf? Sind diese abhängig von den Jahreszeiten? Wenn ja: In welchen Monaten treten die Beschwerden auf?
  • Sind die Beschwerden im Freien und im Haus gleich stark? Sind die Beschwerden tagsüber und nachts unterschiedlich stark?
  • Wie sieht das Wohnumfeld (Land oder Stadt) und das berufliche Umfeld (Tätigkeit im Freien oder in Innenräumen) aus?
  • Bestehen bereist festgestellte Allergien, Neurodermitis oder Asthma?
  • Gibt es Fälle von Allergien in der Familie? Wenn ja: Wer war/ist alles betroffen?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?

Auf der Basis dieses Fragenkatalogs ist es Fachärzten meist schon möglich, die Diagnose „Pollenallergie“ zu stellen. Auf welche Pollen konkret eine Allergie besteht, ist jedoch deutlich schwieriger herauszufinden. Um dies herauszufinden, wird in mehreren Schritten vorgegangen:

  • Pollenflugkalender: In diesem sind die Zeiten markiert, zu denen bestimmte Pollenarten in der Regel fliegen. Allerdings variiert der Zeitraum, wann Pollen konkret unterwegs sind, von Jahr zu Jahr, da Regen und Temperatur einen großen Einfluss auf den Beginn der jeweiligen Pollensaison haben.
  • Untersuchungen: Unterschieden wird zwischen Hauttests und Provokationstest sowie Blutuntersuchungen. Wichtig ist, dass vor der Durchführung der Tests keine Medikamente zur Unterdrückung der allergischen Reaktion eingenommen werden dürfen. Hierzu zählen zum Beispiel Antihistaminika und Kortison.
  1. Prick-Test: Hier wird die Haut leicht anteritzt und eine Lösung mit den jeweiligen Pollen aufgeträufelt. Liegt eine Allergie vor, so ist nach einer festgelegten Einwirkzeit eine Hautreaktion ablesbar.
  2. Provokationstest: Bei diesem Testverfahren wird der potentielle Allergieauslöser in die Nase eingebracht. Liegt eine Allergie vor, so treten Beschwerden wie anschwellende Schleimhäute oder sogar ein anaphylaktischer Schock ein. Daher muss der Patient nach diesem Test noch ausreichend lange in der Praxis bleiben.
  3. Blutuntersuchung: In diesem Testverfahren wird eine Blutprobe auf Antikörper gegen spezifische Polleneiweiße untersucht. Je höher die Antikörperkonzentration ist, desto stärker ist die Allergie ausgeprägt.

 

Behandlung: Wie lassen sich die Symptome einer Pollenallergie lindern?

Zur Behandlung einer Allergie im Sinne der Linderung der Symptome stehen mehrere unterschiedliche Ansätze zur Verfügung [4] . Oberste Priorität bei der Allergiebehandlung hat die Meidung der Allergene. Hierzu findet sich im Anschluss ein eigner Absatz. Nur dann, wenn das Meiden der Allergene nicht oder nicht vollständig möglich ist und die Symptomatik die Lebensqualität massiv einschränkt, sollte eine medikamentöse Behandlung erfolgen.

  • Medikamente gegen Pollenallergie: Diese Medikamente hindern die überschießende Abwehrreaktion des Körpers auf die Pollen. Es gibt unterschiedliche Wirkstoffgruppen. Diese unterscheiden sich insbesondere auch in der Stärke der Wirkung. Am schwächsten wirken die Medikamente der Wirkstoffgruppe Cromone, etwas stärker sind die Präparate der Wirkstoffgruppe Antihistamine und am stärksten sind die Medikamente der Wirkstoffgruppe der Glukokortikoide.
  • Nasensprays: Auch hier gibt es unterschiedliche Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen. Zum einen kommen Cortisonnasensprays zur Anwendung. Reichen diese in ihrer Wirkung nicht aus, können Fixkombinationssprays eingesetzt werden. Diese enthalten Wirkstoffe die die Eigenschaften von Glukokortikoiden und Antihistaminika verbinden. Auch die sogenannten abschwellenden Nasensprays (Wirkstoffgruppe Alpha-Sympathomimetrika) helfen. Diese dürfen jedoch nur kurzfristig angewendet werden.
  • Spezifische Immuntherapie: Bei dieser Therapie handelt es sich um eine ursächliche Therapie. Patienten erhalten vor dem Beginn der jeweiligen (konkreten) Pollensaison das Allergen in sehr geringer Dosierung verabreicht. Auf diese Weise gewöhnt sich der Körper sozusagen an das Allergen und die überschließende Reaktion bleibt bei Beginn der Pollenflugsaison aus.

Eigene Maßnahmen: Was können Betroffene selbst unternehmen?

Jeder Betroffene kann einiges selbst unternehmen, um die Symptome der Pollenallergie möglichst gering zu halten. Diese Maßnahmen zur Vermeidung des jeweiligen Allergens hat auf jeden Fall Vorrang vor einer der oben genannten medikamentösen Behandlungen.

  • Pollenreduktion zuhause: Regelmäßiges Staubsaugen und Staubwischen entfernt einen Großteil der Polen. Um den Einfluss der Pollen beim Saubermachen möglichst gering zu halten, kann eine FFP2 Maske getragen werden. Auf Wandteppiche und Dekorvorhänge sollte verzichtet werden, da dies wahre Pollenfänger sind.
  • Pollenfreies Schlafzimmer: Um das Schlafzimmer möglichst von Pollen frei zu halten, sollten Betroffene vor dem zu Bett gehen duschen und die Haare waschen. Zudem sollten im Freien getragene Kleidungsstücke nicht im Schlafzimmer aufbewahrt werden.
  • Lüften: In der Stadt fliegen zwischen 6.00 und 8.00 Uhr die wenigsten Pollen, so dass dann gelüftet werden sollte. Auf dem Land ist die beste Zeit zum Lüften zwischen 19.00 und 24.00 Uhr. Alternativ hilft ein Pollenschutz vor Fenstern und Balkontüren, Pollen aus dem Haus/der Wohnung fernzuhalten.
  • Kleine Hilfen für Tagsüber: Durch das regelmäßige Waschen des Gesichts, werden Pollen entfernt, die an der Haut haften.
  • Nasendusche: Durch das Spülen mit Kochsalzlösung werden Pollen aus der Nase herausgespült und die Spülung kann unter Umständen auch eine therapeutische Wirkung haben, wie eine von der Cochrane-Gesellschaft durchgeführte Untersuchung der Studienlage ergab [5] .
  • Urlaubsplanung: Wer seinen Urlaub frei planen kann, der sollte in der Zeit der stärksten Pollenbelastung an Ort reisen, die eine niedrige oder keine Pollenbelastung aufweisen.

Pollenallergie bei Senioren: Was gibt es hier zu beachten?

Gerade auch im Seniorenalter werden Pollenallergien verstärkt diagnostiziert, wie  eine Studie der Kaufmännischen Krankenkasse [6] belegt. Danach ist zwischen 2008 und 2018 die Zahl der Pollenallergiker in der Altersgruppe 65 bis 79 Jahre um 43 Prozent angestiegen, in der Altersgruppe 80 Plus hat sich die Zahl der Pollenallergiker verdoppelt. Ob es sich tatsächlich um einen so starken Anstieg handelt oder ob zumindest zum Tel der Anstieg daran liegt, dass Allergien inzwischen öfter diagnostiziert werden, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden.

 Diese Punkte sind für Pollenallergier im Seniorenalter besonders wichtig:

  • Wiederkehrende grippeähnliche Beschwerden können Anzeichen einer Pollenallergie sein. Eine Abklärung beim Arzt gibt Aufschluss.
  • Wenn bereits eine Vorbelastung der Bronchien besteht, sind die Risiken einer Pollenallergie erhöht.
  • Gerade wenn bereits Medikamente eingenommen werden müssen, sollte von einer Selbstmedikation mit Pollenallergie-Medikamenten abgesehen werden. Wechselwirkungen können zu massiven körperlichen Schäden führen. Der behandelnde Arzt kann passende Wirkstoffe auswählen.

Quellen

[1] 15 % der Deutschen erhalten im Laufe des Lebens die Diagnose Pollenlallergie: https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/heuschnupfen/verbreitung.html
[2] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/377/publikationen/klimawandel_allergien_5-10.pdf
[3] https://www.allergieinformationsdienst.de/immunsystem-allergie/risikofaktoren/die-hygienehypothese.html UND https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2015/ege_allergien.html
[4] https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/heuschnupfen/therapie.html
[5] https://www.allergieinformationsdienst.de/news/article/hilft-nasenspuelung-mit-kochsalzloesung-bei-allergischem-schnupfen.html
[6] https://www.kkh.de/pollenallergie
https://www.apotheken-umschau.de/Heuschnupfen
https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/heuschnupfen-pollen-allergie-hilfe-100.html
https://praxis-widderich.de/Ratgeber/Heuschnupfen.htm
https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/UmweltKommission/Stellungnahmen_Berichte/Downloads/allergien_deutsch.pdf?__blob=publicationFile
https://www.gpau.de/fileadmin/user_upload/GPA/dateien_indiziert/Sonstiges/Paed_Allergologie_2017_1_Umwelt1.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/377/publikationen/klimawandel_allergien_5-10.pdf
ttps://www.netdoktor.de/krankheiten/heuschnupfen/therapie/

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