Influenza, die (echte) Virusgrippe

Vielen Menschen sprechen davon, Grippe zu haben, es ist aber oft lediglich ein grippaler Infekt, der durch verschiedene Erreger ausgelöst werden kann. Eine Virusgrippe geht auf eine Infektion mit Influenzaviren zurück.

Wissenswertes zu Influenza-Viren

Es handelt sich um behüllte Viren aus der Familie Orthomyxoviridae. Die aus Lipiden der ursprünglichen Wirtszelle und darin eingelagerten viralen Proteinen bestehende Hülle schützt das Virus vor Desinfektionsmitteln und erleichtert das Eindringen in die Wirtszelle. Alle bekannten Viren, die eine reale oder potenzielle Gefährdung durch eine Pandemie darstellen, sind behüllte Viren.

Influenza-Viren werden nach ihrer inneren Struktur in die Gattungen Alpha, Beta, Gamma und Delta unterteilt. Je nachdem zu welcher sie gehören, haben sie sehr unterschiedlich Auswirkungen auf das Krankheitsgeschehen. Viren der Gattung Beta tragen wenig dazu bei, Gamma und Delta haben so gut wie kein Potenzial, den Menschen zu gefährden. Anders sieht es bei den Alpha-Influenza-Viren aus.

Das Alpha-Virus des Spezies Influenzavirus A zeichnet sich durch häufige Mutationen und Neuordnungen aus. Dies wiederum bedeutet, dass das menschliche Immunsystem sich immer wieder neu aufstellen muss, um das Virus zu bekämpfen. Die entstehenden Subtypen der Spezies Influenza-A-Virus (FLUA) werden serologisch eingeteilt. Bisher wurden mindestens 18 H-Untertypen und 11 N-Untertypen erkannt. In der Tabelle sind einige der Subtypen verzeichnet sowie die Epidemien bzw. Pandemien, die diese auslösten.

Subtypus des Influenza-A-Virus GrippePandemien
H1N1 Spanische Grippe 1918/1920
Schweinwgrippe 1976
Russische Grippe 1977
Grippeausbruch in Mexiko 2009
H2N2 Asiatische Grippe 1957
H3N2 Hongkong Grippe 1968
H5N1 Vogelgrippe, die kaum auf Menschen übertragen wurde
H5N1 Vogelgrippe, die kaum auf Menschen übertragen wurde

Die beiden Vogelgrippearten wurden in der Regel von infiziertem Geflügel auf Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch fand nur in Einzelfällen statt.

Übertragung der Viren

Das Robert-Koch-Institut (RKI) unterscheidet zwischen saisonaler Influenza und zoonotischer Influenza. Bei Letzterer findet eine Übertragung des Virus in der Regel ausschließlich durch einen engen Kontakt zwischen infizierten Tieren und Menschen statt. Die Viren übertragen sich meist nicht von Mensch zu Mensch.

Die saisonale Influenza verbreitet sich überwiegend durch Tröpfchen. Die Partikel mit einer Größe von mehr als 5 μm (0,005 mm) gelangen durch Husten oder Niesen in die Umwelt. Personen im Umkreis von etwa 5 Metern infizieren sich durch Einatmen der Tröpfchen. Es kann auch geschehen, dass sogenannte Tröpfchenkerne (kleiner als 5 μm) beim normalen Atmen oder Sprechen entstehen und längere Zeit in der Luft schweben. Eine Infektion ist auch durch direkten Kontakt der Hände zu Oberflächen, an denen virushaltige Sekrete haften oder Händeschütteln möglich, wenn es zu anschließendem Hand-Mund- beziehungsweise Hand-Nasen-Kontakt kommt.

Symptome einer Virusgrippe

Etwa ein bis zwei Tage nach Kontakt mit dem Virus bemerkst du erste Symptome. Typisch ist ein plötzlicher Erkrankungsbeginn mit Fieber, Husten oder Halsschmerzen. Insbesondere starke Muskel- und/oder Kopfschmerzen sind ein Anzeichen der Influenza, während beim grippalen Infekt eher Husten und Schnupfen das Krankheitsgeschehen begleiten und die Schmerzen im Körper gering sind. Hinzu kommen eine allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche und das Absondern von dünnflüssigem Schleim aus der Nase. Manche Grippekranke klagen auch über Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle.

Allerdings entwickelt sich lediglich bei etwa einem Drittel der Infizierten hohes Fieber. Es kann auch zu einem leichten oder asymptomatischen Verlauf kommen, das heißt, es entwickeln sich keinerlei Krankheitssymptome.

Diagnose der Influenza

Ob die beschriebenen Symptome eine Infektion mit Rhinoviren, respiratorischen Synzytial-Viren, humanen Metapneumoviren oder Mykoplasmen beziehungsweise auch Covid-19 zuzuordnen sind, lässt sich am Krankheitsbild nicht eindeutig entscheiden. Eine Labordiagnostik ist erforderlich. Bis zum Jahr 2020 fand diese meist lediglich zu Beginn der Influenzasaison statt, um den Typ des Virus zu identifizieren und die Impfstoffe entsprechend zu modifizieren.

Im Hinblick auf den Vergleich der Grippe- und der Covid-19-Todesfallzahlen weist das Robert-Koch-Institut eindeutig auf den Umstand hin, dass eine Labordiagnostik bei der Influenza meist unterblieb. Laut RKI wurden von den 25.000 Influenza-Todesfällen in der schweren Grippesaison 2017/2018 lediglich bei 1.674 Todesfällen die Diagnose Influenza eindeutig im Labor abgeklärt. Die hohe Zahl von über 20.000 basiert auf einer Schätzung, die sich an die Übersterblichkeit im Zeitraum der Grippewelle anlehnt.

Aufgrund der aktuellen Fixierung auf die Corona-Pandemie wird bei den genannten Symptomen in der Regel zunächst auf SARS-CoV-2 getestet. Eine mögliche Influenza-Infektion ziehen vermutlich viele Ärzte erst in Betracht, wenn Covid-19 ausgeschlossen ist. Dies kann bei der Behandlung problematisch werden, denn antivirale Mittel müssen zu Beginn der Influenza-Infektion verabreicht werden.

Gefahren der Influenza

Wenn dein Immunsystem intakt ist, kannst du damit rechnen, eine Influenza in wenigen Tagen auszukurieren. Ältere Menschen insbesondere mit Grundkrankheiten wie chronischen Herz- oder Lungenleiden, Stoffwechselerkrankungen (beispielsweise Diabetes mellitus), Immundefekten, neurologischen beziehungsweise neuromuskulären Erkrankungen oder schwerer Fettleibigkeit müssen mit einem schweren Verlauf rechnen. Die Verschlechterung tritt meist 3 bis 10 Tage nach Symptombeginn auf. Es handelt sich überwiegend um pulmonale Komplikationen, also Lungenkrankheiten.

Ärzte unterscheiden zwischen:

Primäre Influenzapneumonie: Das Lungengewebe entzündet sich durch das Virus selbst,

Bakterielle Pneumonie: Keime wie Pneumokokken, Staphylokokken, Haemophilus influenzae entzünden das Lungengewebe.

Außerdem kann es zu, wie der Facharzt es ausdrückt Exazerbationen chronischer Lungenerkrankungen kommen, also zu einer Verschlechterung einer bestehenden chronischen Krankheit. Auch die Beteiligung weiterer Organe kann Folge einer Influenza sein. Entzündungen der Skelettmuskulatur (Myositis), Auflösung der quer gestreiften Muskelfasern, auch im Herz und im Zwerchfell (Rhabdomyolyse), Gehirnentzündung (Enzephalitis) und Herzmuskelentzündung (Myokarditis) können durch einen sehr schweren Verlauf ausgelöst werden.

Vorbeugen und Impfungen

Die aktuell immer wieder genannten AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten und im Alltag Maske tragen), bieten auch einen ausgezeichneten Schutz vor einer Virusgrippe. Vermeide, wenn möglich Menschenansammlungen, besonders wenn du Erkältungssymptome bei Mitmenschen beobachtest. Scheue dich nicht in Gegenwart hustender und niesender Menschen eine Maske zu tragen, auch wenn dies nicht vorgeschrieben ist. Wasche dir, wenn du im öffentlichen Bereich warst, gründlich die Hände mit Wasser und Seife. Gründlich heißt, die Hände anfeuchten und zweimal das Lied „Happy Birthday“ zu singen, während du die Hände mit Seife einschäumst. Spüle den Schaum erst danach ab. Stärke dein Immunsystem durch Bewegung an frischer Luft und gesunde Ernährung. Esse viel Obst und Gemüse statt Fleisch und Wurst.

Natürlich ist auch eine Grippeimpfung angebracht. Diese bietet aber aus verschiedenen Gründen keinen 100 %-igen Schutz.

Die volle Ausbildung eines Impfschutzes benötigt etwa 2 Wochen. Du kannst dich also infizieren, bevor der Impfschutz wirkt.

Es hat sich gezeigt, dass bei älteren Menschen das Immunsystem nicht in der Lage ist, ausreichend Antikörper zu produzieren, um einen wirksamen Schutz aufzubauen. Auch bei Menschen mit Immunschwäche ist nicht damit zu rechnen, dass durch eine Impfung ein ausreichender Schutz gegen Influenza möglich ist.

Wie bereits erwähnt, ändern sich Influenzaviren laufend. Deshalb wird jährlich ein neuer Grippe-Impfstoff entwickelt, der Teile jener Virus-Varianten enthält, von denen erwartet wird, dass sie in der kommenden Saison zirkulieren. Der Impfstoff schützt also nie gegen alle Influenzaviren.

Hinweis

In den letzten Jahren lag die Wirksamkeit des Impfschutzes gegen Influenzaerkrankung zwischen 40 % und 60 %. Du musst also damit rechnen, trotz Impfung nicht gegen Influenza geschützt zu sein. Daher sind die AHA-Regeln und ein starkes Immunsystem wichtig.

Antivirale Arzneimittel

Sogenannte  Neuraminidasehemmer wie Zanamivir oder Oseltamivir können vorbeugend gegen eine Influenzainfektion gegeben werden. Dies geschieht in der Regel ausschließlich, wenn Menschen, die nicht geimpft werden können oder bei denen aufgrund einer Immunschwäche diese nicht wirkt, mit einem an Influenza erkranktem Menschen Kontakt hatten. Diese Mittel eignen sich auch für die Bekämpfung der Viren bei einer bestehenden Infektion, sofern die Behandlung rechtzeitig beginnt.

Der Arzt entscheidet im Einzelfall, ob er eines der Mittel verordnet. Er wird in der Regel zuvor über ein Labor bestätigen lassen, dass es sich tatsächlich um eine Virusgrippe handelt, da die Mittel nicht geeignet sind, grippale Infekte oder Covid-19 zu behandeln, obwohl die Krankheiten ähnliche Symptome aufweisen.

Du solltest auch wissen, dass die Medikamente Nebenwirkungen haben. Oseltamivir verursacht bei manchen Patienten Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Zanamivir kann zu Hautausschlag und bei Asthmatikern zu asthmatischen Anfällen führen.

Übliche Therapie einer Influenza

Wenn keine Komplikationen auftreten, bessert sich das Befinden ohne Behandlung meist nach fünf bis sieben Tagen. Es kann aber deutlich länger dauern, bis du wieder richtig fit bist. Sofern keine Vorerkrankungen vorliegen und auch keine deutliche Verschlechterung eintritt, beschränkt sich die Behandlung auf das Lindern der Symptome.

  • Gönne dir Ruhe und bleibe zu Hause, so vermeidest du außerdem, andere Menschen anzustecken.
  • Schone dich, also unterlasse alles, was dich anstrengt. Treibe auch keinen Sport.
  • Denke daran, ausreichend zu trinken, besonders wenn du schwitzt. Ideal sind Kräutertees.
  • Verzichte auf das Rauchen, vermeide auch passives Rauchen.
  • Eine vitaminreiche und leichte Kost unterstützt zusätzlich die Genesung.

Sofern du keine Allergie gegen Schmerzmittel hast, kannst du bei starken Kopf- oder Gliederschmerzen Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen. Die Mittel senken auch das Fieber. Da Fieber den Heilungsprozess unterstützt, solltest du die Mittel nur verwenden, wenn die Schmerzen zu stark werden. Die Krankheit kannst du durch die Medikamente nicht verkürzen.

Der Einsatz der antiviralen Mittel Zanamivir und Oseltamivir ist nach dem Einsetzen der Symptome meist nicht mehr möglich, denn sie müssen spätestens 48 Stunden nach der Infektion verabreicht werden. In dieser kurzen Zeit ist eine gesicherte Diagnose meist nicht möglich. Die Präparate können nachweislich ohnehin lediglich die Krankheitsdauer um 0,5 bis 1,5 Tage reduzieren. Bezüglich möglicher Komplikationen wie Bronchitis und Lungenentzündung sowie Sterblichkeit liegen keine eindeutigen Erkenntnisse vor.

Wenn Komplikationen zu erwarten sind, wird der Arzt darauf achten, ob eine zusätzlich Infektion durch Bakterien erfolgt, eine sogenannte Superinfektion. Der Arzt verordnet in dem Fall Antibiotika. Je nach Schwere kann auch die Gabe von Sauerstoff oder eine künstliche Beatmung erforderlich sein.

Ältere Menschen mit und ohne Vorerkrankung sollten sich bei den ersten Anzeichen einer Grippe oder wenn Kontaktpersonen eine Virusgrippe bekommen haben, sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Der Artikel hat dich umfassend über Influenza informiert, kann aber natürlich einen Arztbesuch nicht ersetzen. Du weißt aber nun, wie du dich vor einer Infektion dem Virus schützen kannst und welche Mittel dir im Fall einer Virusgrippe Erleichterung verschaffen.

Die Impfung ist immer noch der beste Schutz gegen die Krankheit. Außerdem verläuft eine Grippe bei geimpften Menschen meist milder als bei nicht geimpften. Nicht zu vergessen, du unterbrichst durch deine Impfung die Infektionskette. Damit sinkt das Erkrankungsrisiko für Menschen in deiner Umgebung, die sich nicht impfen lassen dürfen.

Eine Grippe kann zu einem Asthmaanfall führen oder bestehendes Asthma verschlimmern. Sie ist aber in der Regel nicht die Ursache der Krankheit

Die beste Therapie bei Influenza ist Bettruhe. Die Ruhezeit ist wichtig, um dem Körper die notwendige Energie zu geben, sich gegen das Virus zu behaupten. Bleibe im Bett, auch wenn die Beschwerden durch Medikamente nachlassen. Faustregel: Wenn das Fieber abklingt, noch drei Tage im Bett bleiben.

Asthma oder COPD schädigen das Lungengewebe, Influenzaviren finden so leichter Eingang. Andere Krankheiten schwächen das Immunsystem, der Körper kann sich gegen die Viren nicht effektiv wehren.

Influenzaviren verkraften höhe Temperaturen und feuchte Luft schlecht. Außerdem ist die Immunabwehr im Sommer schlagkräftiger und du hältst dich seltener mit vielem Menschen in geschlossenen Räumen auf. Das alle bewirkt, dass es im Sommer kaum Infektionen mit dem Virus gibt. Aber eine Infektion mit Influenza ist auch im Sommer nicht ausgeschlossen.

Quellen

https://web.archive.org/web/20090330082153/http://www.labor-limbach.de/Informationen_zur_Vo.317.0.html
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/IPV_Node.html
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vorsicht-bei-vergleich-der-zahl-der-todesfaelle-116540/
https://www.netdoktor.de/krankheiten/grippe/grippeimpfung/
https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/grippe/behandlung

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