Lungenentzündung – eine schwere Erkrankung

Etwa 400.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einer Lungenentzündung. Die Krankheit tritt vermehrt im Winter auf. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Patienten über 60 Jahren sind davon betroffen. Ebenso Menschen mit einem schwachen Immunsystem.

Aufbau der Lunge

Die Luftröhre teilt sich in zwei Hauptbronchien, die sich in Lappenbronchien, Segmentbronchien und in weitere immer feiner werdende Äste verzweigen. Die kleinsten Bronchien, die Bronchiolen, befinden sich tief in der Lunge. Die Lunge besteht aus einer rechten Lunge (rechtem Lungenflügel) und einer linken Lunge (linkem Lungenflügel). Jeder Flügel wird durch Furchen in Lungenlappen unterteilt. Der rechte Lungenflügel teilt sich dabei in drei Oberlappen (Lobus ventrocranialis), Mittellappen (Lobus medius) und Unterlappen (Lobus dorsocaudalis), der linke Lungenflügel in lediglich in Oberlappen und Unterlappen auf. Die Lungenlappen wiederum werden in Lungensegmente unterteilt.

Am Ende der Bronchiolen, die weniger als 1 mm Durchmesser aufweisen, befinden sich die Lungenbläschen (Alveolen). Diese umgibt das Lungengewebe. Eine Lungenentzündung (Pneumonie) liegt vor, wenn sich die Bläschen und/oder das Gewebe der Lunge entzündet hat. Sind lediglich die Bronchien betroffen, spricht der Mediziner von Bronchitis.

Bei einer Bronchitis verursachen Schleim beziehungsweise Verengungen im Luftleitungssystem die Atemnot. Wenn du eine Pneumonie hast, entsteht selbst dann Atemnot, wenn sich die Lunge problemlos mit frischer Luft füllt. Grund: Während die Bronchien lediglich der Luftleitung dienen, sind die Alveolen für den Übergang von Sauerstoff ins Blut und von Kohlendioxid aus dem Blut in die Atemluft zuständig. Einzelheiten zum Gasaustausch stehen in der Box.

Hinweis

Die Lungenbläschen sind mit feinen Blutgefäßen (Kapillaren) überzogen. Hier passieren Kohlendioxid-Moleküle aus dem Blut die Wände der Adern und der Bläschen. So gelangen sie in die Atemluft. Umgekehrt durchdringt Sauerstoff in der Atemluft diese Schranke und gelangt ins Blut.

Entzünden sich die Lungenbläschen (Alveolen) oder das Lungenzwischengewebe (Interstitium), kommt es zu einer Verdickung. Die Gasmoleküle müssen eine längere Strecke überwinden. Besonders die Sauerstoffmoleküle haben Probleme, ins Blut zu gelangen. Kohlendioxid wird dagegen noch gut aus der Blutbahn abgegeben.

Unterschiede bei den entzündlichen Prozessen

Mediziner unterscheiden zwischen einer Entzündung der Lungenbläschen (alveoläre Pneumonie) und einer, bei der auch das Lungengewebe (interstitielle Pneumonie) betroffen ist. Durch den Entzündungsprozess schwillt das Gewebe in der Lunge an. Es wird stärker durchblutet und in der Regel kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge.

Eine alveoläre Pneumonie kann sich auf einzelne Lungenbereiche beschränken. Dies nennen Mediziner eine Herdpneumonie, weil es lediglich einzelne Entzündungsherde in der Lunge gibt. Bei einer Lobärpneumonie ist meist ein ganzer Lungenlappen beziehungsweise ein ganzes Lungensegment betroffen. Herdpneumonien entstehen innerhalb eines Lungenläppchens. Manche Lungenentzündung gehen von den Bronchien aus. Eine Bronchitis greift auf das umliegende Lungengewebe über, es entsteht eine Broncho-Pneumonie.

Auslöser von Lungenentzündungen

Grundsätzlich gibt es einen Unterschied zwischen einer primären und einer sekundären Lungenentzündung. Erstere wird durch Keime, chemische oder mechanische Reize ausgelöst, die sekundäre Pneumonie ist eine Begleiterkrankung einer bestehenden Krankheit.

Wodurch primäre Pneumonien entstehen

Die Auslöser sind meist Bakterien, seltener Viren oder Pilze. Außerdem gibt es noch die nicht infektiöse Lungenentzündung und die Aspirationspneumonie. Sehr oft bewirken verschiedene Auslöser zusammen eine Lungenentzündung. Ein Virus beispielsweise schädigt die Lunge und eine bakterielle Infektion setzt sich fest. Mediziner unterscheiden außerdem zwischen einer ambulant erworbenen Pneumonie, die du dir in deiner Umgebung eingefangen hast und solchen, die auf einer Infektion im Krankenhaus beruhen (nosokomial erworbene Pneumonie).

Ambulant erworbener Pneumonien beruhen hauptsächlich auf Infektionen mit Bakterien, vor allem Pneumokokken. Aber auch Grippe- und andere Viren sowie Mykoplasmen, Legionellen und Chlamydia pneumoniae kommen als Ursache infrage. Es können auch Viren, Pilze oder Parasiten eine Entzündung der Lunge verursachen. Mediziner bezeichnen Entzündungen der Lunge, die durch Viren und andere Erreger, die üblicherweise keine Lungenentzündung auslösen, als atypische Pneumonie. Die Krankheit verläuft in der Regel mit milderen Symptomen und beginnt langsam. Solche Keime befallen eher Lungenzwischenräume (Interstitium) statt Lungenbläschen. Die Entzündungen können den typischen Erregern den Weg bahnen und es kommt zu einer typischen Lungenentzündung, die sich durch eine plötzliche Verschlechterung bemerkbar macht.

Eine falsche Therapie einer Bronchitis kann eine Pneumonie begünstigen. Die meisten Erreger verursachen zunächst eine Entzündung der Bronchien. Das Abhusten der Sekrete verhindert, dass die Keime die Lungenbläschen erreichen. Der Husten ist lästig und quälend, daher versuchen sich viele Patienten Linderung durch einen Hustenstiller zu verschaffen. Weil diese oft rezeptfrei erhältlich sind, unterbleibt die Rücksprache mit dem Arzt. Besonders wenn dieser einen Hustenlöser verordnet hat, entsteht daraus eine Komplikation. Das eine Medikament erhöht die Produktion von Sekreten, das andere verhindert das Abhusten. Es kommt zu einem Sekretstau in den Bronchien.

Chemische und mechanische Auslöser einer Pneumonie sind ätzende Reizstoffe, Gase, Rauch oder Lösungsmittel. Gefährlich ist auch das Einatmen (Aspiration) von Nahrung, Flüssigkeit, Blut oder Magensaft. Dies geschieht häufig, wenn geschwächte Personen im Liegen essen oder bei Schluckstörungen beziehungsweise fehlendem Hustenreflex. Diese Arten von Lungenentzündungen zählen zu den nicht infektiösen Pneumonien.

Infektionen im Krankenhaus lösen meist Pseudomonas aeruginosa, Klebsiellen oder Staphylokokken aus. Die Keime sind extrem schwer zu bekämpfen, da sie resistent gegen die meisten Antibiotika sind.

Sekundäre Pneumonien

Bei einer sekundären Pneumonie entsteht die Lungenentzündung meist als unmittelbare Folge einer bestehenden Krankheit. Die sogenannte hypostatische Pneumonie ist die häufigste Form der sekundären Pneumonie. Ursache ist eine schlechte Belüftung und Durchblutung der unteren Lungenfelder, wie es bei bettlägerigen Patienten der Fall ist. Dies begünstigt die Ansiedlung von Bakterien in der Lunge.

Bei einer bestehenden Herzerkrankung kann sich eine Lungenentzündung durch einen Blutrückstau in die Lunge entwickeln. Es kommt zu einer Stauungspneumonie. Auch Lungentumore, Strahlentherapien, Lungenembolien nach Thrombosen oder Keimverschleppung über die Blutbahn können Ursache einer sekundären Pneumonie sein.

So schützt du dich vor einer Lungenentzündung

Die bisherigen Ausführungen zeigen deutlich, dass ein absoluter Schutz vor einer Lungenentzündung nicht möglich ist. Viele Keime, die bei den meisten Menschen eine harmlose Erkältung auslösen, können bei einem geschwächten Immunsystem zu Lungenentzündung führen. Besonders problematisch sind mechanische oder chemische Ursachen und das versehentliche Einatmen von Flüssigkeit oder Nahrung und natürlich die sekundären Pneumonien.

Du hast aber die Möglichkeit, dich weitgehend zu schützen. Vermeide aktives sowie passives Rauchen. Optimiere das Raumklima, das heißt, lüfte regelmäßig und überheize die Räume nicht. Außerdem ist eine vitaminreiche Kost mit viel Obst und Gemüse gut für das Immunsystem – und natürlich Bewegung an der frischen Luft.

Versuche Keimen jeder Art aus dem Weg zu gehen. Halte Abstand besonders zu Menschen mit Erkältungssymptomen. Die AHA-Regeln, die im Zusammenhang mit Corona immer wieder erwähnt werden, sind auch sinnvoll, um sich vor anderen Keimen als Coronaviren zu schützen.

  • Abstand: Mindestens 1,5 bis 2 Meter Abstand halten,
  • Hände waschen: Hände regelmäßig mindestens 20 - 30 Sekunden waschen
  • (Alltags)maske: Eine Maske tragen, wenn du unter Menschen bist.

Das Einatmen von Nahrung kannst du bei starken Schluckstörungen, die nach Schlaganfällen, bei einer Parkinson-Erkrankung, einer Multiplen Sklerose, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Hirntumor auftreten, nur bedingt vermeiden. Beim normalen Schluckvorgang verschließen Gaumensegel und Kehlkopfdeckel den Zugang zur Luftröhre. Wenn dieser Mechanismus bei dir gestört ist, solltest du langsam und bedächtig essen. Es ist auch hilfreich, Nahrung zu vermeiden, die du intensiv kauen musst.

Impfungen können eine Lungenentzündung nie mit Sicherheit verhindern. Die Grippeimpfung hat eine Wirksamkeit von 40 bis 60 %, eine Impfung gegen SARS-CoV-2 soll je nach Impfstoff eine Wirksamkeit von bis zu 96 % aufweisen. Hier ist aber zu bedenken, dass es keine Langzeiterfahrungen gibt. Impfungen gegen 23 verschiedene Pneumokokken-Typen (PPSV23) bieten einen guten Schutz gegen einen schweren Verlauf. In wieweit diese Impfung vor einer Lungenentzündung schützt, ist noch unklar.

Wichtig

Alle Ausführungen über Symptome, Diagnostik und Therapie sind als Beispiele zu verstehen. Sie können keinen Arztbesuch ersetzen und sollen auf keinen Fall dazu animieren, die Krankheit in eigener Regie zu behandeln.

Symptome einer Lungenentzündung

Weder eine typische noch eine atypische Pneumonie kannst du an den Symptomen eindeutig erkennen. Oftmals beginnt die Krankheit mit einem Infekt im Hals- oder Rachenbereich. Plötzliches Fieber von über 38,5 ° C mit Schüttelfrost, das auf über 40 °C ansteigt, ist ein Zeichen, dass die Krankheit ernster wird. Meist stellt sich zunächst ein trockener Husten ein, der in einen produktiven Husten übergeht, bei dem grüner, gelber, brauner oder rostfarbener Schleim abgehustet wird. Das sind sowohl Symptome einer Bronchitis als auch einer Lungenentzündung.

Hinweis

Sobald du anfängst, derartig verfärbten Schleim zu husten, musst du zum Arzt gehen. Die rechtzeitige und richtige Therapie ist entscheidend. Suche am besten einen Lungenfacharzt auf. Gebräuchliche Bezeichnungen für Ärzte dieser Fachrichtung sind „Facharzt für Pneumologie“, „Pneumologe“, „Facharzt für Pulmologie“ und „Pulmologe“.

Da bei einer Lungenentzündung der Gasaustausch in der Lunge gestört ist, kommt es zu Sauerstoffmangel (Hypoxämie) und einem Anstieg von Kohlendioxid (Hyperkapnie) im Blut. Menschen mit einer schweren Lungenentzündung atmen aus diesem Grund sehr schnell und flach (Tachypnoe). Die Anstrengung beim Atmen bewirkt, dass sich die Nasenflügel bei jedem Atemzug blähen.

Bei einer atypischen Lungenentzündung beginnt die Krankheit meist schleichend. Der Husten geht in der Regel nicht in einen produktiven Husten über. Es bleibt bei einem quälenden trockenen Husten, da meist nur die Lungenzwischenräume (Interstitium) entzündet sind. Bei der Chlamydien-Pneumonie sind neben dem hartnäckigen trockenen Husten auch Fieber und Muskelschmerzen typische Symptome.

Diagnose der Krankheit

Der Arzt kümmert sich bei er Diagnostik meist zunächst nicht darum, ob du eine Lungenentzündung oder eine Bronchitis hast. Für ihn ist vorrangig zu erkennen, ob die Krankheit auf einer Infektion durch Keime beruht und wenn ja, diese zu identifizieren. Diese Erkenntnisse sind für die Therapie von Bedeutung. In der heutigen Zeit wird er auf jeden Fall testen, ob du mit SARS-CoV-2 infiziert bist. Außerdem nimmt er Dir meist Blut aus einer Vene ab, um es zu untersuchen. Er lässt im Labor ein Blutbild erstellen.

Zeigt dieses einen erhöhten Anteil an weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und unreife Vorstufen im Blut, der Mediziner nennt das Linksverschiebung, liegt eine bakterielle Infektion vor.

Bei einer nahezu normalen Anzahl von Leukozyten und einer Zunahme der Lymphozyten handelt es sich um eine Viruserkrankung.

Je nach Verlauf der Krankheit beziehungsweise wie eine Therapie angeschlagen hat, folgt oft eine bakterielle Untersuchung des Hustenauswurfs beziehungsweise das Anlegen von Kulturen aus dem Blut. Das ermöglicht den Erreger genauer zu Identifizieren und auch Unempfindlichkeiten (Resistenzen) gegen Antibiotika festzustellen.

Ein Antigen- beziehungsweise Antikörper-Nachweis erfolgt meist, wenn eine atypische Pneumonie vermutet wird. Untersucht werden Urin, Auswurf und/oder Lungengewebe oder Spülwasser, das mittels Bronchoskopie entnommen wird.

Keines der Krankheitszeichen und auch die beschriebene Diagnostik verweisen eindeutig auf eine Lungenentzündung. Bronchitis und Pneumonie haben nahezu identische Symptome. Um abzuklären, ob du eine Lungenentzündung hast, muss der Arzt nach einem sicheren Anzeichen der Krankheit suchen. Das ist eine Verdichtung des Lungengewebes. Der Arzt wendet verschiedene Methoden an, um diese Veränderung aufzuspüren. Er hört die Lunge mit einem Stethoskop ab und klopft dabei auf den Brustkorb des Patienten. Er wird dich besispielsweise auffordern, „99“ zu sagen und „69“ zu flüstern. Vibrationen leitet das verdichtete Gewebe besser weiter als eine gesunde Lunge, die Sprache leitet es dagegen schlechter weiter.

Die sicherste Methode, um eine Bronchitis von einer Pneumonie zu unterscheiden, ist ein Röntgenbild der Lunge anzufertigen. Entzündete Bronchien sind auf dem Bild nicht zu erkennen, aber die Verdichtungen des Lungengewebes. Sie geben auch Aufschluss darüber, welche Areale der Lunge entzündet sind.

Therapie der Pneumonie

Du brauchst dir keine Gedanken zu machen, wenn der Arzt sich zunächst nicht besonders darum kümmert, ob du eine Lungenentzündung oder eine Bronchitis hast. Er versucht in erster Linie herauszufinden, ob es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Du bekommst in der Regel zunächst ein Breitspektrum-Antibiotikum, das bei vielen infrage kommenden Keimen wirkt. Es dient auch dazu, zu verhindern, dass sich durch Viren oder andere Einwirkungen geschädigtes Lungengewebe durch Bakterien entzündet.

Nach Abschluss einer bakteriologischen Untersuchung des Blutes oder des Auswurfs kennt der Arzt den Erreger in der Regel. Das kann dazu führen, dass er nun in anderes Antibiotikum verordnet, das spezifisch den Keim bekämpft, der Dir zu schaffen macht. Bei einer Virusinfektion bekommst Du meist zusätzlich Mittel, die gegen Viren helfen.

Wenn der Arzt von einer Infektion mit SARS-CoV-2 ausgeht, wird er zusätzlich Blutverdünner verordnen, da das Virus bekannt dafür ist, die Blutgefäße zu befallen. Es entstehen Gerinnsel, die zu einer Lungenembolie führen können.

Sollten Parasiten wie Lungenwürmer die Ursache sein, bekommst Du in der Regel Medikamente, die diese abtöten und ein Breitspektrum-Antibiotikum, um eine bakterielle Infektion zu verhindern. Bei Pilzinfektionen setzt der Arzt dagegen das Antibiotikum meist ab und du bekommst ein Antipilzmittel (Antimykotika).

Neben dem Bekämpfen der Keime steht die Linderung der Symptome im Mittelpunkt der Therapie. Bei einem trockenen Husten bekommst du einen Hustenstiller, bei einem produktiven einen Hustenlöser und gegen Fieber sowie Schmerzen helfen Schmerz- und Fiebermittel wie ASS oder Paracetamol.

Begleitend helfen Kochsalz-Inhalationen, den Schleim abzuhusten. Außerdem musst du ausreichend trinken. Sofern Fieber und Schonung zur Bettruhe zwingen, bekommst Du meist Mittel zur Blutverdünnung oder auch Thrombosestrümpfe, damit sich keine Gerinnsel bilden.

Ambulante oder stationäre Behandlung

Die meisten Patienten mit Lungenentzündung kurieren sich zu Hause aus. Der Arzt wird dich also in der Regel nicht in ein Krankenhaus einweisen. Sofern du aber starke Atemnot hast oder wenn die Versorgung zu Hause nicht möglich ist, empfiehlt der Arzt, die Behandlung im Krankenhaus durchzuführen. Letztendlich entscheidest in der Regel du, ob du dich stationär behandeln lassen willst. Gegen deinen Willen geschieht dies nur bei akuter Lebensgefahr und wenn du zu keiner Erklärung in der Lage bist. Nur etwa 12 % der Lungenentzündung verlaufen so schwer, dass eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgt.

Keine Angst, eine Einweisung ins Krankenhaus muss nicht bedeuten, dass die Infektion ungewöhnlich schwer ist. Der Arzt rät auch dazu, wenn du zu Hause nicht ausreichend betreut werden kannst oder bei Vorerkrankungen, die einen schweren Verlauf begünstigen.

Folge immer dem Rat des Arztes, denn im Krankenhaus kann man einer Unterversorgung mit Sauerstoffversorgung vorbeugen. Du bekommst das Gas über eine sog. Nasenbrille. Dir wird es über zwei kleine Schläuche, die wenige Zentimeter in die Nase ragen, Sauerstoff zugeführt. Bei extremer Atemnot erfolgt eine nicht-invasive Beatmung über eine Maske (NIV-Beatmung) und in sehr schweren Fällen eine invasive Beatmung durch ein Beatmungsgerät und Luftröhrenschlauch (Tubus).

Außerdem helfen dir Fachkräfte, eine spezielle Atemgymnastik einzuüben und erleichtern über eine Klopfmassage das Abhusten.

In den meisten Fällen geht es dir nach etwa einer Woche deutlich besser. Bei einem schwachen Immunsystem oder wenn Keime die Krankheit auslösen, die sich nicht mit Medikamenten bekämpfen lassen, kann es zu Komplikationen kommen. Diese lassen sich im Krankenhaus besser therapieren als bei dir zu Hause.

Wissenswertes im Überblick

Ursache/
Bezeichnung
Anmerkung
Influenza Viren Die Viren lösen alleine selten eine Lungenentzündung aus.
Die Influenza kann eine bakterielle Lungenentzündung auslösen.
SARS-CoV-2/
COVID-19
Die COVID-19 (coronavirus disease 2019; Coronavirus-Krankheit-2019) genannte Krankheit äußerst sich meist durch eher mittelschwere grippeähnliche Symptome. Sie kann aber auch eine beidseitige Lungenentzündung auslösen. Dabei entzünden sich dann häufig auch Blutgefäße und es kann zu einer Embolie kommen.
Diverse Viren oder Mikrobakterien wie Mykoplasmen/Atypische Pneumonie Die Infektion befällt meist die Lungenzwischenräume (Interstitium). Die Erkrankung beginnt in der Regel schleichend und das Fieber steigt nicht über 39 °C. Meist sind alle Symptome einer Lungenentzündung vorhanden, aber abgeschwächt. Der Husten bleibt trocken.
Aspiration vom Mageninhalt/oft eine Broncho-Pneumonie Es kommt zu Reizungen oder Verätzungen des Lungengewebes, was zu Atemnot und Schmerzen beim Atmen führt. Die Symptome setzen oft schlagartig ein und die Patienten bekommen kein Fieber. Die Schädigungen führen in vielen Fällen zu einer bakteriellen typischen Pneumonie.
Streptococcus pneumoniae
(Pneumokokken)/
Typische Pneumonie,
meist Lobärpneumonie
Die Krankheit beginnt oft nach einer leichten Entzündung der oberen Atemwege mit plötzlichem Schüttelfrost und Fieber von über 38,5 °C, das auch 40 °C übersteigen kann. Der anfänglich trockene Husten geht in produktiven Husten über, bei dem grüner, gelber, brauner oder rostfarbener Schleim abgehustet wird. Typisch ist auch eine oberflächliche, angestrengte und schnelle Atmung (Tachypnoe).
Chlamydia pneumoniae/
Atypische Pneumonie
Die Infektion zeigt sich durch einen hartnäckigen, meist trockenen Husten. Häufig klagen die Patienten auch über Fieber und Muskelschmerzen. Unbehandelt oder bei falscher Therapie ist sie sehr langwierig. Der Husten kann über 3 Monate anhalten. Eine Übertragung durch Vögel ist naheliegend.
Legionellen/
Legionärskrankheit
Legionellen können durch Klimaanlagen, Duschen oder Bäder übertragen werden, wenn das Wasser nicht über 60 °C erwärmt werden kann. Bei weniger als 10 % der Infizierten entwickelt sich eine Lungenentzündung mit hohem Fieber, atemabhängigen Brustschmerzen und Blut im Auswurf.
Klebsiellen/
nosokomial erworbene Pneumonie
(Infektion erfolgte im Krankenhaus)
Klebsiellapneumonien sind in der Regel ein lobärer Befall des rechten Lungenoberlappens. Bei abwehrgeschwächten Patienten wird auch der Unterlappen befallen. Sie beginnt plötzlich mit Fieber, Atemnot, Brustschmerzen und Husten. Der Auswurf ist ziegelrot. Alle Klebsiellen sind resistent gegenüber Penicillin G und Ampicillin, oft auch gegen Nitrofurantoin. Da es außerdem auch erworbene Resistenzen gibt, ist die Behandlung schwierig.
Staphylokokken/
nosokomial erworbene Pneumonie (Infektion erfolgte im Krankenhaus)
Infektion beginnt mit einem raschen Fieberanstieg, Atemnot, Brustschmerzen und Husten. Manche Staphylokokken sondern Gifte ab, die beispielsweise Blutungen auslösen können. Die Therapie ist schwierig, da die Keime häufig nur durch die neusten Antibiotika bekämpft werden können.
Pseudomonas aeruginosa/
nosokomial erworbene Pneumonie
(Infektion erfolgte im Krankenhaus)
Der Keim kann viele unterschiedliche Infektionen auslösen, auch eine Lungenentzündung. Durch seinen Stoffwechsel und seine Zellmembranstruktur liegen meist Mehrfachresistenzen gegenüber Antibiotika vor. Eine mehrwöchige intravenöse Verabreichung bestimmter Antibiotika ist erforderlich.

Mögliche Komplikationen

Zu einem komplizierten Verlauf kommt es meist, wenn die Behandlung nicht rechtzeitig einsetzt beziehungsweise die Therapie nicht ausreichend wirksam ist, beispielsweise, weil das Antibiotikum den Keim nicht bekämpfen kann.

 

Typische Komplikationen, welche die Lunge betreffen, sind Entzündungen des Lungenfells (Pleuritis), Flüssigkeitsansammlung zwischen Lungen- und Brustfell (Pleuraerguss) oder die Bildung eitergefüllter Hohlräume (Lungenabszess). Manchmal verursachen bakterielle Erreger Entzündungen in anderen Körperregionen und Organen. Besonders gefürchtet sind Hirnhautentzündungen (Meningitis), Eiteransammlungen im Gehirn (Hirnabszess) oder Herzmuskelentzündungen (Myokarditis). Noch mehr fürchten Ärzte eine Blutvergiftung (Sepsis), die den ganzen Körper mit Keimen überschwemmt.

Um diese Entzündungen in den Griff zu bekommen, versuchen die Ärzte ein Antibiotikum zu finden, das die Keime tötet. Außerdem geht es um die Linderung der Beschwerden, beispielsweise wird Flüssigkeit aus der Lunge abgesaugt oder Eiterherde werden chirurgisch entfernt.

In sehr seltenen Fällen kommt es zu einem akuten Lungenversagen (ARDS, Acute Respiratory Distress Syndrom). Die entzündliche Reaktion des Lungengewebes führt zu einer zunehmenden Wasseransammlung in der Lunge (Lungenödem), die Möglichkeit des Gasaustausches in der Lunge verschlechtert sich erheblich. Außerdem kommt es zu einem bindegewebigen Umbau des Lungengewebes (Lungenfibrose). Dieser beeinträchtigt den Gasaustausch und die Dehnbarkeit der Lunge. Nach einem ARDS bleiben in der Regel immer Schäden zurück.

Es gibt unterschiedliche Arten von Lungenentzündungen, die alle eine erstzunehmende Erkrankung darstellen und ärztlicher Konsultation bedürfen. Die Diagnose Pneumonie bedeutet jedoch selbst im hohen Alter längst kein Todesurteil. Immerhin überleben über 98 % der Patienten, die keine schwere Vorerkrankung haben, eine Pneumonie.

Meist setzt eine Lungenentzündung spontan mit Fieber, Husten, Schüttelfrost und starken allgemeinen Krankheitssymptomen ein, eine Bronchitis verschlechtert sich eher langsam und kontinuierlich. Da es auch atypische Verläufe gibt, ist die Unterscheidung für dich als Patient nicht mit Sicherheit möglich.

Der Pneumokokken-Impfstoff PPSV23 schützt gegen 23 verschiedene Pneumokokken-Typen, die Konjugatimpfstoffe PCV10 gegen 10 Serotypen und PCV13 gegen 13 Serotypen. Es gibt aber noch weitere Erreger, die eine Lungenentzündung auslösen können. Wie sicher die Impfung schützt, ist umstritten, aber die Experten sind weitgehend sicher, dass sie vor schweren Verläufen bewahrt.

Sofern eine Betreuung zu Hause gesichert ist, erfolgt eine Einweisung ins Krankenhaus in der Regel nur, wenn Komplikationen eintreten oder zu erwarten sind.

Die Erreger werden durch die Luft von Mensch zu Mensch übertragen (Tröpfcheninfektion), allerdings wird ein gesundes Immunsystem damit fertig. Gesunde junge Menschen stecken sich also selten an. Bei einem stark geschwächten Immunsystem, beispielsweise wenn Immunsuppressiva die Abstoßung transplantierter Organe verhindern sollen, können auch normale Erkältungsviren eine Lungenentzündung auslösen.

Sofern es keine Komplikationen gibt, sind Langzeitschäden nicht zu erwarten. Nach einem schweren Verlauf mit drohendem Lungenversagen ist eine vollständige Heilung aber nahezu ausgeschlossen.

Quellen

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/lungenentzuendung/was-ist-eine-lungenentzuendung/
https://www.netdoktor.de/krankheiten/lungenentzuendung/
https://www.apotheken-umschau.de/Lungenentzuendung
https://www.gesundheitsinformation.de/lungenentzuendung.html
https://flexikon.doccheck.com/de/Klebsiella_pneumoniae
https://www.amboss.com/de/wissen/Acute_Respiratory_Distress_Syndrome

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