Physiotherapie bei Rückenschmerzen

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Schmerzarten überhaupt. Fast jeder Mensch leidet mindestens einmal im Leben darunter. Für viele bringt das Einschränkungen in Alltag, Beruf und Freizeit mit sich. Glücklicherweise sind in den meisten Fällen die Ursachen nicht bedrohlich und es gibt oft Möglichkeiten, sie zu lindern. Zum Beispiel mit Physiotherapie.

Wie kommt es zu Rückenschmerzen?

Selten steckt eine ernste Erkrankung, etwa ein Bandscheibenvorfall, Tumor oder eine Nierenbeckenentzündung, hinter den Schmerzen. Die häufigsten Gründe sind Verspannungen, eine schwach ausgebildete Muskulatur und Bewegungsmangel. Dann helfen oft schon ein paar Dehnungsübungen, etwas sportliche Betätigung oder eine sanfte Massage vom Partner, um die Schmerzen loszuwerden. Auch ein Vollbad und Wärmepackungen können verspannte Muskeln entkrampfen.

Wenn diese Maßnahmen wirkungslos sind oder die Schmerzen sehr stark sind, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Er kann dem Patienten ein Rezept zur Physiotherapie ausstellen. Alternativ kannst du auch ohne Rezept als Selbstzahler direkt zum Physiotherapeuten gehen. Auf der Internetseite des Deutschen Verbands für Physiotherapie e. V. findest du mithilfe der Physiotherapeutensuche eine Praxis in deiner Nähe.

Was ist das Ziel der Physiotherapie?

Die Therapie soll mit verschiedenen Maßnahmen die ursprüngliche Beweglichkeit und Belastbarkeit des Rückens wiederherstellen. Dem Physiotherapeuten stehen  dafür verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung. Je nach Ursache der Beschwerden wird er mehr aktive Übungen oder passive Behandlungen empfehlen. Bei der aktiven Therapie führt der Patient die Bewegungen nach Anleitung selbständig durch. Bei der passiven Therapie vollzieht der Physiotherapeut die Bewegungen.

Der Therapeut zeigt dem Patienten auch Übungen, die er zuhause selbst durchführen kann. Das soll die Rückenschmerzen langfristig lindern. Er gibt zudem praktische Handlungsempfehlungen für den Alltag, etwa wie der Bürostuhl richtig eingestellt wird oder welche Körperhaltung beim Bücken und beim Tragen von Lasten wichtig ist. Ebenso wird der Lebensstil unter die Lupe genommen. Denn regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sind wichtig für einen gesunden Rücken.

Das passiert beim ersten Termin

Beim Ersttermin wird der Physiotherapeut die aktuelle Situation analysieren (Anamnese). Er fragt dich nach deinen Beschwerden und der bisherigen Medikation. Dann untersucht er die betroffene Körperregion und macht sich ein Bild über die Funktionseinschränkungen und Schmerzursachen. Anschließend wird ein persönlicher Behandlungsplan zur Therapie der Rückenprobleme erstellt. Offene Fragen zur Herangehensweise sollten im ersten Termin geklärt werden. Denn ausschlaggebend für den Therapieerfolg ist auch die aktive und eigenverantwortliche Mitarbeit des Patienten.

Dehnübungen und Massagen gegen Verspannungen

Viele Rückenschmerzen sind auf verspannte und verkürzte Muskeln zurückzuführen. Deshalb werden in der Physiotherapie oft Dehnübungen und Massagen in den Therapieplan integriert. Mit Grifftechniken wie Streichen, Kneten, Walken, Rollen, Lockern oder Klopfen löst der Physiotherapeut Verspannungen der Muskeln oder Blockaden im Bereich der Wirbelsäule. Außerdem wird der Stoffwechsel gefördert und die Durchblutung gesteigert.

Krankengymnastik zur Stärkung der Rückenmuskulatur

Bei der Krankengymnastik lernt der Patient verschiedene Übungen, die seine Rückenmuskulatur kräftigen und die Beweglichkeit fördern. Häufig kommt die gerätegestützte Krankengymnastik zum Einsatz. Trainiert wird dabei unter Anleitung speziell ausgebildeter Physiotherapeuten an medizinischen Geräten, darunter Fahrradergometer, Krafttrainingsgeräte und Seilzüge. Ziel ist das Erlernen gesunder Bewegungsabläufe sowie die Verbesserung von Muskelkraft, Ausdauer und Koordination. Die gerätegestützte Krankengymnastik kann auch nach Operationen oder als Prävention von Verschleiß- und Rückenerkrankungen eingesetzt werden.

Tipp

Sport und Bewegung in der Freizeit kann die Physiotherapie unterstützen, denn dadurch werden die Rückenmuskeln trainiert. Nordic Walking, Fahrradfahren, Tanzen, Rückenschwimmen, Pilates und Yoga sind gut geeignet. Es hilft aber auch, kleine Dehnungsübungen in den Alltag einbauen und regelmäßig die Treppe statt den Aufzug zu nehmen.

Rückenschmerzen lindern mit Elektrostimulation

Die Elektrotherapie nutzt die Kraft von Stromimpulsen, um Heilungsvorgänge im Körper zu aktivieren. Bei der Transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) wird elektrischer Strom über aufgeklebte Elektroden zugeführt. Die Betroffenen nehmen das durch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Kribbeln auf der Haut wahr. Das Ziel der Behandlung ist es, die Nervenzellen im Rückenmark so anzuregen, dass sie die Schmerzweiterleitung an das Gehirn verringern.

Bei der Ultraschalltherapie wird mithilfe von Schallwellen Wärme erzeugt, was Schmerzen bei Wirbelsäulenerkrankungen lindern kann. Der Physiotherapeut bestreicht die zu behandelnde Region mit einem speziellen Gel und fährt anschließend mit dem Ultraschallkopf über den Rücken. Die Schallwellen werden dabei entweder kontinuierlich (Gleichschall) oder pulsweise (Impulsschall) abgegeben und dringen ins Gewebe ein. Dabei kommt es zu einer sogenannten Mikromassage.

Behandlung mit Wärme und Kälte

Die Physiotherapie nutzt auch Wärme und Kälte, um eine schmerzlindernde Wirkung beim Patienten zu erzielen. Die Anwendungen können lokal oder am ganzen Körper eingesetzt werden. Die Wärmetherapie fördert die Durchblutung und entspannt die Rückenmuskulatur. Zugeführt wird die Wärme meist über heiße Moor- und Fangopackungen, Infrarotlicht oder Heißluftstrahler. Auch die sogenannte „Heiße Rolle“ ist bei vielen Patienten beliebt. Dabei behandelt der Therapeut den Rücken mit trichterförmig aufgerollten und heißem Wasser durchtränkten Handtüchern.

Die Kältetherapie wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. Hierbei wird unter anderem mit Kühlpacks, Kältesprays oder Eiswasser dem Körper Wärme entzogen. So verengen sich die Gefäße, was Schwellungen lindert. Zudem laufen Entzündungsprozesse langsamer ab, was die Schmerzempfindlichkeit reduziert.

Was ist eine Rückenschule?

Die Rückenschule ist ein Therapiekonzept zur Vorbeugung und Behandlung von Rückenschmerzen. Viele Physiotherapiepraxen bieten entsprechende Kurse an. Diese beinhalten das Erlernen rückenschonender Haltungen beim Heben und Tragen sowie das Training der Rücken- und Bauchmuskulatur. Auch Entspannungsübungen und Strategien zur Stressbewältigung gehören zum Programm. Ein Kurs besteht aus acht bis zwölf Einheiten mit einem zeitlichen Umfang von etwa einer Stunde. Viele Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten, wenn vorab ein Antrag gestellt wird.

Wenn die Schmerzen trotz Wärmeanwendungen und Massagen weiter bestehen, ist ärztlicher Rat sinnvoll. Falls die Schmerzen plötzlich auftreten oder sich zusätzlich Gefühlsstörungen an Armen und Beinen einstellen, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden!

Bei Verspannungen reichen oft 6 bis 18 Behandlungen zur Behebung der Schmerzen aus. Bei krankhaft bedingten Rückenproblemen ist eine längerfristige Therapie erforderlich.

Nach einer Trainingseinheit können Muskelkater oder Dehnungsschmerzen auftreten. Dabei handelt es sich meist um eine harmlose Erstverschlimmerung. Weise jedoch deinen Physiotherapeuten darauf hin. Er kann entscheiden, ob er den Therapieplan bezüglich Intensität und Wiederholungen anpassen muss.

Ultraschall wird gezielt eingesetzt. Trotzdem bestehen Risiken. Bei einer Überdosierung kann Körpergewebe absterben. Solltest du während der Ultraschalltherapie Schmerzen empfinden, gibt bitte sofort deinem Therapeuten Bescheid.

Eine Manuelle Therapie, Massage oder Krankengymnastik dauert meist zwischen 15 und 25 Minuten.

Fazit

Ganz egal, ob Muskelverspannungen oder eine Krankheit hinter den „Kreuzschmerzen“ steckt: Ein wirksamer Weg, um die Schmerzen zu lindern, ist eine gezielte, aktive oder passive Bewegung. Dem Physiotherapeuten stehen hierfür eine ganze Reihe unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Sie orientieren sich am persönlichen Beschwerdebild des Patienten und können auch begleitend zu einer medikamentösen Behandlung eingesetzt werden. Damit beugt die Physiotherapie weiteren Folgeschäden vor und verhilft den Betroffenen wieder zu mehr Lebensqualität.

Quellen

Handbuch Physiotherapie, Bernard C. Kolster
https://www.physio-deutschland.de/patienteninteressierte/physiotherapeutensuche.html
https://www.netdoktor.de/therapien/elektrotherapie/ultraschalltherapie
https://www.physio-deutschland.de/patienten-interessierte/wichtige-therapien-auf-einen-blick/massagen.html
https://www.physio-deutschland.de/patienten-interessierte/wichtige-therapien-auf-einen-blick/waerme-kaeltetherapie.html

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