Physiotherapie für Bewegungs- und Schmerzfreiheit

Die Bedeutung der Physiotherapie ist heute höher denn je, denn Bewegungsmangel und Fehlhaltungen begünstigen Schmerzen im Bewegungsapparat des Körpers. So sind Rückenschmerzen inzwischen zur Volkskrankheit geworden. Die Physiotherapie wird sowohl zur Therapie und Rehabilitation als auch zur Prophylaxe von körperlichen Funktionsstörungen genutzt. Und dafür stehen den Therapeuten verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Das Berufsbild des Physiotherapeuten

Schon in der Antike wurden Wärmeanwendungen, Bäder und Massagen gezielt zur Linderung von körperlichen Beschwerden eingesetzt. Der Berufsstand der Physiotherapie ist aber noch relativ jung. Als aus dem Krieg 1870/71 verletzte und körperlich behinderte Soldaten zurückkehrten, stieg der Bedarf an Behandlungen sprunghaft an. Diesen Ansturm konnten die damals praktizierenden Ärzte nicht mehr allein bewältigen und es entstand ein neuer Berufsstand, die sogenannten „Krankengymnasten“. Die Behandlung war zu dieser Zeit hauptsächlich wundärztlicher und orthopädischer Art.

In den nachfolgenden Jahrzehnten kamen noch andere medizinische Fachgebiete hinzu: die Innere Medizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Nervenheilkunde, Kinderheilkunde und Psychiatrie. Erst im Jahre 1994 wurde im wiedervereinigten Deutschland eine einheitliche Ausbildung geschaffen und die Berufsbezeichnung "Krankengymnast" durch die Bezeichnung "Physiotherapeut" ersetzt.

Was ist Physiotherapie?

Das Wort Physiotherapie stammt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus „physis“ (Natur, Körper) und therapeia (Pflege, Heilung). Bewegungstherapie und Krankengymnastik sind die Hauptaufgaben der Physiotherapie. Durch aktive oder passive Bewegung werden gezielt körperliche Funktionsstörungen behandelt oder präventiv durch Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge vermieden. Dadurch stellt sie in vielen Fällen eine Alternative oder Ergänzung zu einer medikamentösen oder operativen Krankheitsbehandlung dar.

Aktive Bewegung bedeutet, dass der Patient die Bewegungen nach Anleitung selbstständig ausführt. Von passiver Bewegung ist die Rede, wenn äußere Kräfte genutzt werden, zum Beispiel indem der Therapeut die Bewegung führt. Bei der sogenannten physikalischen Therapie erfolgt die Behandlung mit mechanischen Reizen (Massage), thermischen Reizen (Wärme und Kälte), Wasser (Hydrotherapie) oder Strom (Elektrotherapie).

Diese Beschwerden behandelt die Physiotherapie

Die Untersuchung und Behandlung des Physiotherapeuten orientiert an den individuellen Beschwerden des Patienten. Die Therapie soll die Leistungsfähigkeit des Körpers verbessern oder wiederherstellen. Das kann etwa die Erhaltung der Kraft, Verbesserung der Koordination und Beweglichkeit, Linderung von Schmerzen oder Förderung der Durchblutung sein. Die Physiotherapie kann in Einzel- oder Gruppentherapie in ambulanten Praxen, stationären oder teilstationären Einrichtungen, REHA-Kliniken und Krankenhäusern durchgeführt werden.

Zum größten Teil werden in Deutschland physiotherapeutische Maßnahmen in Bezug auf Erkrankungen der Wirbelsäule und Gelenke verordnet (zum Beispiel Rückenschmerzen oder Knieschmerzen). Die Physiotherapie kann aber auch nach Knochenbrüchen oder Gelenkoperationen, Bänder- oder Sehnenrissen, Schlaganfall, bei Multipler Sklerose, Herz-Kreislauf-Problemen und anderen Erkrankungen zum Einsatz kommen. Bei chronischen Erkrankungen kann sogar eine lebenslange Therapie sinnvoll sein.

Was kann ich unter „Manueller Therapie“ verstehen?

Der Begriff bezeichnet physiotherapeutische Behandlungsmethoden, die der Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates dienen. Dabei setzt der Therapeut, im Gegensatz zur Krankengymnastik, ausschließlich die Hände ein. Ziele der Manuellen Therapie sind beispielsweise die Lockerung von Verspannungen der Muskeln, die Aufhebung von Blockaden (insbesondere im Bereich der Wirbelsäule) oder die Dehnung bestimmter Körperregionen. Eine Behandlung dauert meist 20 Minuten.

Heilung mit Elektrotherapie

Unter Elektrotherapie versteht man die direkte oder indirekte Anwendung elektrischer Energie an der schmerzenden Körperstelle. Bei der direkten Anwendung fließt ein schwacher Strom durch den Körper, welcher als Kribbeln auf der Haut empfunden wird. Bei der indirekten Anwendung wird die elektrische Energie dem Körper in umgewandelter Form als Wärme-, Licht- oder Strahlenenergie zugeführt.

Eine weitere Möglichkeit zur Elektrotherapie sind sogenannte TENS-Geräte. Das sind kleine batteriebetriebene Geräte, welche der Patient nach Einweisung durch den Therapeuten zuhause selbst anwenden kann (zum Beispiel bei Knieschmerzen). Für TENS-Geräte wird ein Rezept benötigt.

Beckenbodentraining bei Inkontinenz

Ein Training der Beckenbodenmuskulatur kann Patienten helfen, die bei körperlicher Belastung wie Husten, Heben oder Joggen den Urin nicht halten können. Bei der Physiotherapie werden Techniken erlernt, wie die versteckte Muskulatur angespannt und trainiert werden kann. Manchmal wird zusätzlich die Körperhaltung korrigiert, um den Beckenboden weniger zu belasten. Auch ein Training der Bauch- und Rückenmuskeln kann helfen, die Inkontinenz zu beheben oder abzumildern.

Die Funktionelle Bewegungslehre (FBL)

Fehlhaltungen und Fehlbewegungen können zu Schmerzen am Bewegungsapparat führen. Hier setzt die „Funktionelle Bewegungslehre“ an. Ihr Ziel ist es, die Ursache der Schmerzen zu analysieren und das Bewegungsverhalten zu optimieren. Der Therapeut entwickelt zusammen mit dem Patienten Lösungen, wie er seine Bewegungsabläufe und seine Körperhaltung bei der Arbeit oder im Alltag verbessern kann. Der Patient bekommt auch Anleitungen für selbständige Trainingsmöglichkeiten mit nach Hause.

Physiotherapie im Bereich der Geriatrie

Die Geriatrie befasst sich mit den körperlichen, geistigen, funktionalen und sozialen Aspekten in der Versorgung von akuten und chronischen Krankheiten älterer Menschen (etwa Osteoporose, Parkinson, Arthrose oder Durchblutungsstörungen). Die physiotherapeutische Behandlung soll die Selbständigkeit, Mobilität und Lebensqualität der Älteren erhalten oder wiederherstellen. Dazu braucht es spezielle Behandlungstechniken. So kann beispielsweise mit gezieltem Krafttraining die Bewegungssicherheit verbessert werden, was das Risiko für folgenschwere Stürze im Alter senkt. Auch die Krankheit Parkinson äußert sich durch den Verlust der allgemeinen Beweglichkeit, eine nach vorne geneigte Körperhaltung und eine kleinschrittige Gangweise. Hier sind unter anderem Dehnungsübungen, Gehübungen und Massagen Teil der physiotherapeutischen Behandlung.

Was ist das Bobath-Konzept?

Mit dem Bobath-Konzept können Symptome von neurologischen Erkrankungen behandelt werden, zum Beispiel Schädel-Hirn-Verletzungen, Schlaganfälle, Rückenmarksverletzungen, Parkinson oder Multiple Sklerose. Diese Erkrankungen gehen oft mit Störungen des Fühlens sowie Schwierigkeiten bei Koordination, Muskelkontrolle und Muskelspannung einher. Das Konzept beruht auf der Annahme der "Umorganisationsfähigkeit" des Gehirns. Das bedeutet, dass gesunde Hirnregionen Aufgaben lernen und übernehmen können, die zuvor von den erkrankten Regionen ausgeführt wurden.

Im Bobath-Konzept werden die verbliebenen Fähigkeiten der betroffenen Person und ihr Potential beurteilt. Dann wird ermittelt, bei welchen Aktivitäten und Bewegungen sie Hilfe braucht. Die Behandlung erfordert eine aktive Mitarbeit des Patienten. Zunächst unterstützt der Therapeut die Körperbewegungen. Diese Hilfe wird jedoch zunehmend reduziert, damit der Patient sie nach und nach allein kontrolliert. Danach muss das Gelernte in den Alltag übertragen werden. Es werden Behandlungsziele festgelegt und Aktivitäten erarbeitet, die der Patient in Eigenregie durchführen kann.

Die medizinische Notwendigkeit einer Physiotherapie wird durch Ärzte festgestellt und auf Rezept verordnet, zum Beispiel als „Allgemeine Krankengymnastik (KG)“, „Neurophysiologische Krankengymnastik (KGN)“, „Krankengymnastik am Gerät (KGG)“ oder „Manuelle Therapie (MT)“.

Die Physiotherapie gehört zu den sogenannten Heilmitteln. Viele Leistungen werden von den privaten und gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dazu gehören etwa Krankengymnastik, Elektrotherapie, Manuelle Lymphdrainage, Manuelle Therapie und Thermotherapie. Für Patienten ab 18 Jahre ist bei Behandlungsbeginn eine Zuzahlung fällig (außer bei Gebührenbefreiung).

Sportliche, bequeme Kleidung ist von Vorteil. Viele Behandlungen finden jedoch in Unterwäsche statt. Auch ein großes Handtuch sollte mitgebracht werden.

Eine Behandlung dauert durchschnittlich zwischen 15 und 25 Minuten. Für spezielle Krankheitsbilder, beispielsweise Lymphdrainage, können auch längere Behandlungszeiten notwendig sein.

Je nach Diagnose und Beschwerdebild legt der Arzt die Anzahl der Behandlungen fest. Meist sind es 6 bis 18 Behandlungen. Die Physiotherapie sollte jedoch bis zur erfolgreichen Beseitigung der Beschwerden oder Schmerzen weitergeführt werden.

Fazit

Das Ziel der Physiotherapie ist es, Funktions-, Bewegungs- und Aktivitätseinschränkungen des Patienten zu verbessern, zu erhalten oder ihnen vorzubeugen. Für die Behandlung greifen die Therapeuten auf verschiedene manuelle und physikalische Techniken zurück. Gerade bei Erkrankungen der Wirbelsäule und der Gelenke lassen sich gute Behandlungserfolge erzielen. In einigen Fällen kann die Physiotherapie eine Alternative oder Ergänzung zur operativen oder medikamentösen Behandlung sein.

Quellen

Handbuch Physiotherapie, Bernard C. Kolster
http://www.deutsche-therapeutenauskunft.de/therapeuten/physiotherapie/was-ist-physiotherapie
https://www.netdoktor.de/krankenhaus/geriatrie-11191.html
https://www.netdoktor.de/therapien/physiotherapie

A
A
A