Was tun bei zu niedrigem Ferritin?

Wenn dir beim letzten Arztbesuch der Begriff „Ferritin“ begegnet ist, klang das vermutlich nach Fachchinesisch. Und in der Tat handelt es sich hierbei um den medizinischen Begriff für das Eisenspeichermolekül unseres Körpers. Wenn er bei dir im Normalbereich liegt, musst du dir keine Sorgen machen. Sollte er jedoch davon abweichen, kann das ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme sein. In diesem Artikel erfährst du, warum das Ferritin manchmal unter den Normalbereich absinkt und was du dagegen tun kannst.

Wann ist der Ferritinwert zu niedrig?

Die normale Menge von Ferritin im Blut hängt sowohl von deinem Alter als auch deinem Geschlecht ab. Während Babys viel Ferritin aufweisen, sinkt die Konzentration des Eisenspeichermoleküls im Laufe des Wachstums stark ab. So sind bei bis zu sechs Monate alten Säuglinge bereits Werte unterhalb von 37 μg/ l bedenklich. Bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren ist erst ein Ferritin-Wert unter 7 μg/ l auffällig.

Erwachsene Frauen haben im Schnitt weniger Ferritin als Männer, wobei sich das Verhältnis zum Alter hin etwas verschiebt. So gelten bei Frauen bis 50 Jahren Ferritin-Werte unter 22 μg/ l und bei Frauen über 50 Jahren unter 13 μg/ l als zu niedrig. Bei Männern liegen die Untergrenzen für dieselben Altersstufen bei 34 μg/ l bzw. 4 μg/ l.

Je nachdem, wie das jeweilige Labor den Ferritin-Wert bestimmt, gelten etwas andere Grenzwerte. Diese sind im Ergebnisbogen mit angegeben oder dein Arzt kann dir dazu Auskunft geben.

Wichtig zu wissen ist, dass eine akute Entzündung den Ferritin-Wert vorübergehend ansteigen lässt. Wenn du dir also während einer Grippe Blut zur Bestimmung des Ferritins abnehmen lässt, könnte der akute Anstieg einen Mangel überdecken.

Warum ist das Ferritin zu niedrig?

In der Regel steht ein niedriger Ferritin-Wert im Zusammenhang mit einer Eisenmangel-Anämie. Es gilt also, die Ursache dieser Mangelversorgung und der oft damit einhergehenden Blutarmut auszumachen. Das Besondere am Ferritin als Eisenspeichermolekül ist hierbei, dass es sogar ein künftiges Defizit anzeigen kann. Denn wenn die Speicher fast leer sind, können immer noch ausreichend Eisenionen im Umlauf sein. Nur wenn jetzt kein Nachschub kommen sollte, kann die Situation bedenklich werden.

Im Großen und Ganzen lassen sich zwei Ursachen für Eisenmangel unterscheiden:

  • (starker) Blutverlust
  • unzureichende Aufnahme von Eisen
 

Ursache 1: Blutverlust

Der Blutverlust kann offensichtlich wie bei einer großen OP oder einer schweren Verletzung sein. Denkbar sind aber auch chronische innere Blutungen, wie sie beispielsweise ein Magengeschwür verursacht. Auch geringe, aber wiederholt auftretende Blutungen können das Depot-Eisen erschöpfen. Hierunter fallen zum Beispiel die Menstruation bei der Frau oder chronische-entzündliche Darmerkrankungen.

Ursache 2: Eisenmangel

Bei einer unzureichenden Aufnahme von Eisen kann das Problem einfach darin liegen, dass in deinen Lebensmitteln nicht genug Eisen enthalten ist. Dieses Problem betrifft viele Personen, die sich einseitig ernähren. Es kann aber auch sein, dass dein Darm es nicht schafft, das Eisen aus der Nahrung zu resorbieren. Das ist beispielsweise bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) der Fall. Letztlich tritt ein Mangel an Eisen eher dann auf, wenn der Bedarf daran erhöht ist. Das ist vor allem im Wachstum wie auch während Schwangerschaft und Stillzeit der Fall. Daher bekommen werdende und junge Mütter in der Regel prophylaktisch Eisenpräparate verschrieben.

Zuletzt möchten wir noch einen recht speziellen Grund für einen zu niedrigen Ferritin-Wert ansprechen: den Mangel an Transferrin. Hierbei handelt es sich um ein Protein, das für den Transport des Eisens im Blut zuständig ist. Ist aus irgendeinem Grund, beispielsweise wegen einer schweren Verbrennung, nicht genug Transferrin im Blut unterwegs, kann das Eisen nicht zu den Speichern, sprich den Ferritinmolekülen gelangen. In diesem Fall liegt ebenfalls eine Form von Eisenmangel vor.

Was sind die Folgen eines Ferritin-Mangels?

Der Mangel an Ferritin zeigt also in aller Regel eine Unterversorgung mit Eisen an. Somit geht es an dieser Stelle vorrangig darum, welche Probleme unser Körper hat, wenn zu wenige Eisenionen zur Verfügung stehen. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer „Eisenmangel-Anämie“, also einer Blutarmut aufgrund von zu wenig Eisen. Von außen sichtbare Symptome sind zum Beispiel Blässe, eingerissene Mundwinkel und eine spröde Haut. Betroffene fühlen sich meist matt und müde. Außerdem leidet das Immunsystem. Bist du mit Eisen unterversorgt, wirst du automatisch anfälliger für Infekte.

Letzten Endes leiden sämtliche Zellen deines Körpers unter dem Mangel an Eisen. Das Blut kann nämlich nicht mehr so viel Sauerstoff transportieren, wenn den roten Blutkörperchen die Eisenionen fehlen. Dadurch bekommen deine Zellen weniger Sauerstoff.

Wie lässt sich der Ferritinwert erhöhen?

Der Königsweg zu einem Ferritinwert innerhalb des Normalbereichs für dein Geschlecht und dein Alter hängt stark von der Ursache des Mangels ab. Wenn Blutverlust die Ursache sein sollte, musst du in erster Linie dagegen angehen. Bei stark blutenden Verletzungen oder Operationen werden dir die Ärzte wahrscheinlich eine Bluttransfusion verabreichen. Diese gleicht den Blutverlust ein Stück weit aus. Wenn du ein Magengeschwür oder Darmblutungen hast, wirst du vermutlich deine Ernährung und deine Lebensweise umstellen müssen. Gegen eine starke Menstruation lässt sich wenig ausrichten. Manche Frauen nehmen durchgängig hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, um gar nicht mehr zu menstruieren. Wenn das keine Option für dich ist, kannst du dich zumindest an den gleich folgenden Lösungen für einen erhöhten Eisenbedarf orientieren.

Zunächst möchten wir kurz klären, wie hoch dein Eisenbedarf überhaupt ist: Erwachsene Männer benötigen täglich etwa 10 mg Eisen. Frauen bis zu den Wechseljahren brauchen 15 mg Eisen pro Tag und nach der Menopause ebenfalls 10 mg. Das klingt jetzt wahrscheinlich sehr abstrakt. In Lebensmitteln ausgedrückt entsprechen 10 mg Eisen etwa 150 g Kalbsleberwurst, 2 rohen Eigelb, 200 g kernigen Haferflocken oder 120 g Linsen. Hier versteckt sich auch gleich die Lösung des Problems: Stelle deine Ernährung bei Ferritinmangel am besten auf eisenreiche Lebensmittel um. Hierzu gehören neben den bereits genannten beispielsweise auch Rindfleisch, Leber, Kichererbsen, Spinat, Tofu und Kürbiskerne. Tee und Kaffee hemmen die Eisenaufnahme, während Vitamin C sie verbessert. Im Zweifelsfall wird dein Arzt dir wahrscheinlich Eisenpräparate empfehlen.

Einem Mangel an Ferritin liegt in aller Regel ein Eisendefizit zugrunde. Dem kannst du mit einer vielseitigen und eisenreichen Ernährung begegnen. So ist beispielsweise in rotem Fleisch, in Leber und Eigelb viel Eisen enthalten. Bei den pflanzlichen Produkten rangieren Hafer, Hirse, Linsen, Kichererbsen, Spinat, Tofu und Kürbiskerne ganz vorne. Trinke zum Essen am besten einen Vitamin C-reichen Saft. Das unterstützt die Eisenaufnahme.
Vermeide hingegen Kaffee oder Schwarzen Tee. Im Zweifelsfall kannst du vorübergehend auf Eisentabletten zurückgreifen, insofern du diese verträgst. Sollte deinem Eisenmangel eine versteckte Blutung wie zum Beispiel aufgrund eines Magengeschwürs zugrunde liegen, sollte dein Arzt diese behandeln.

Ein Ferritinwert, der unter dem Normalbereich liegt, geht in den meisten Fällen auf einen Eisenmangel zurück. Dieser kann von starkem oder wiederholtem Blutverlust herrühren. Eine schwere Verletzung oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung könnten dafür verantwortlich sein. Weitere Ursachen für Eisenmangel liegen in dem Missverhältnis von Eisenbedarf und -resorption aus der Nahrung. Die konsumierten Lebensmittel enthalten also nicht genügend Eisen oder es liegt ein Problem bei der Verdauung vor. Ein enorm hoher Bedarf an Eisen wie zum Beispiel während des Wachstums oder in der Schwangerschaft können das Problem zeitlich begrenzt verschärfen.

Ferritin an sich kann der Körper nicht über die Nahrung aufnehmen. Obwohl dieses Eisenspeichermolekül tatsächlich in derselben und in ähnlichen Formen wie beim Menschen auch in Tieren und Pflanzen vorkommt, muss jeder Organismus es selbst bilden. Wie viel Ferritin gebildet wird, hängt unter anderem von der Versorgungslage mit Eisen ab. Wer also einen zu niedrigen Ferritin-Spiegel hat, sollte bei seiner Ernährung auf eisenreiche Lebensmittel wie zum Beispiel Rindfleisch, Leber, Linsen, Spinat, Tofu, Weizenkleie und Hafer achten.

Wenn das Ferritin auf einen Eisenmangel hindeutet, das Serumeisen jedoch nicht, kann das verschiedene Gründe haben. Generell ist das Ferritin der „stabilere“ Marker. Es schwankt im Gegensatz zum Serumeisen nicht so stark in kurzer Zeit. Das Serumeisen kann im Laufe eines Tages seinen Wert durchaus verdreifachen. Das paradoxe Ergebnis kann also alleine dem Messzeitpunkt geschuldet sein. Außerdem ist es denkbar, dass bislang ein Eisenmangel vorlag und das Ferritin deswegen zu niedrig ist. Füllen sich nun die Eisenspeicher langsam wieder auf, reagiert das Serumeisen schneller als das Ferritin. Eine wiederholte Messung zu einem späteren Zeitpunkt ist in diesem Fall aufschlussreich.

Die Anzeichen für einen Mangel an Ferritin sind grundsätzlich dieselben wie für einen Eisenmangel. Neben einer blassen und spröden Haut können eingerissene Mundwinkel auf dieses Defizit hinweisen. Auch das häufige Auftreten von Infekten ist ein Hinweis. Eher im Verborgenen leiden die Organe unter dem Eisenmangel. Sie werden nämlich schlechter mit Sauerstoff versorgt. Probleme auf dieser Ebene kommen vorrangig bei medizinischen Untersuchungen zum Vorschein.

Fazit

Personen ab 50 Jahren sollten als grobe Faustregel dann hellhörig werden, wenn ihr Ferritinwert einstellig ist. Im Laborbefund findest du präzise Angaben zur Einordnung deines individuellen Wertes. Einem zu niedrigen Ferritinwert liegt meist ein Eisenmangel zugrunde. Dieser kann von starkem oder regelmäßigem Blutverlust herrühren oder seine Ursachen darin haben, dass du aus deiner Nahrung weniger Eisen erhältst als du brauchst. Eisenmangel äußerst sich beispielsweise in Müdigkeit, Infektanfälligkeit oder blasser Haut. Um dem entgegenzuwirken, gilt es entweder gegen den Blutverlust vorzugehen und/ oder vermehrt Eisen über die Nahrung aufzunehmen.

Quellen

https://www.onmeda.de/arztbesuch/ferritin.html
http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/f/Ferritin.htm
https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/bluterkrankungen/eisenspeicherkrankheit-haemochromatose-741963.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Transferrin
https://de.wikipedia.org/wiki/Porphyrie
https://www.onmeda.de/laborwerte/blutbestandteile.html
https://www.onmeda.de/laborwerte/mch-wert.html
https://www.praxis-depesche.de/nachrichten/was-steckt-hinter-erhoehtem-ferritin/
https://www.dr-gumpert.de/html/ferritinwert_zu_hoch.html
https://fragen.lifeline.de/expertenrat/frage/Hausarzt/Eisen-zu-hoch-Ferritin-niedrig?threadId=15112293

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