Dauercamping: Der Campingplatz als Hauptwohnsitz

Mit dem Eintritt ins Rentenalter kommt vielleicht der Wunsch, dauerhaft auf dem Campingplatz zu leben. Du arbeitest nicht mehr und hast keine Verpflichtungen, die dich in der Stadt halten. Nachdem du die letzten Jahre bereits jedes Wochenende in deinem Wohnwagen verbracht hast, möchtest du jetzt dauerhaft dort leben. Doch ist das so einfach möglich? Was solltest du bei der Auswahl deines Stellplatzes berücksichtigen? Wie hoch sind die Kosten und ist der Hauptwohnsitz auf dem Campingplatz überhaupt legal?

Kriterien zur Auswahl des Campingplatzes

Wenn du schon seit Jahren Dauercamper bist und auf deinem ausgewählten Campingplatz bleiben möchtest, brauchst du dir keine Gedanken zur Platzauswahl zu machen. Als Neuling auf diesem Gebiet gibt es allerdings einige Punkte zu beachten. Zahlreiche Internet-Suchmaschinen oder Campingführer von Anbietern wie dem ADAC helfen dir bei der Suche nach einem geeigneten Campingplatz.

Lage

Überlege dir genau, wo dein neuer Wohnort sein soll: Möchtest du in Stadtnähe oder lieber weit außerhalb wohnen? Am Wasser, in den Bergen, in Waldes- oder Strandnähe? Brauchst du in der Nähe einen größeren Ort mit Apotheke, Bank, Post und verschiedenen Ärzten? Hast du ein Pkw zu Verfügung oder bist du auf dein Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel bzw. ein Taxi angewiesen? Je besser du deine Vorstellungen definieren kannst, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dich in deinem neuen Zuhause wohlfühlst.

Ausstattung und Serviceangebot

Je nach Campingplatz variieren der Standard und die Ausstattung beträchtlich. Bei der Wahl deines neuen Wohnortes solltest du darauf achten, dass der Dauerstellplatz über einen Strom- und Wasseranschluss verfügt und an die Kanalisation angeschlossen ist. Auch ein Telefon- und Internetanschluss könnten für dich wichtig sein, vielleicht auch ein separater Gasanschluss. Gepflegte sanitäre Einrichtungen, Waschmaschinen und Trockner sollten ebenfalls zur Verfügung stehen. Einige Campingplätze bieten Grundstücke exklusiv für Mobilheime und Wochenendhäuser an. Jedes dieser Grundstücke hat einen eigenen Strom-, Wasser-, Abwasser- und Gasanschluss, Leitungen für Telefon und Internet stehen zur Verfügung. Die Stellplätze sind zum Teil deutlich größer als die 100 m² einer Standard-Parzelle.

Viele Campingplätze verfügen über einen Brötchenservice und einen Laden und ersparen dir damit die Fahrten in den nächsten Ort. Häufig findest du sogar ein kleines Restaurant auf dem Campingplatz.

Kosten

Die Kosten für dein neues Zuhause setzen sich aus den Anschaffungs- und den Unterhaltskosten zusammen. Wenn du bereits im Besitz eines Wohnwagens oder Wohnmobils bist, fallen nur noch die laufenden Kosten an.

Anschaffung

Als Dauercamper auf dem Campingplatz hast du verschiedene Wohnmöglichkeiten. Die bekannteste ist sicherlich ein Wohnwagen, der abgemeldet dauerhaft auf dem Campingplatz steht. Mit festen Vor- oder Anbauten kann die Wohnfläche günstig vergrößert werden. Je nach Größe und Ausstattung variiert der Preis des Wohnwagens, ein neuer Caravan ist bereits ab 10000 € zu erwerben, gebrauchte Modelle sind deutlich günstiger. Komfortabler wohnt es sich in einem Mobilheim: Diese Wohnlösung liegt zwischen einem fest verankerten Haus und einem Wohnwagen. Es ist transportabel und nicht an einem Fundament befestigt. Verschiedene Grundrisse zwischen 20 und über 100 Quadratmetern Wohnfläche stehen zu Wahl. Ein winterfestes Mobilheim mit 40 Quadratmetern Wohnfläche kann schlüsselfertig ab 40000 € erworben werden. Ein Wohnmobil als Hauptwohnsitz ist eher die seltenere Lösung, da die Wohnfläche kleiner als in einem Wohnwagen mit gleichen Außenmaßen ist. Die Anschaffungskosten für ein neues Wohnmobil beginnen bei 30000 € und sind damit vergleichsweise teuer.

Laufende Kosten

Für einen Stellplatz solltest du etwa 800 bis 1200 € Jahresmiete rechnen, je nach Lage, Größe und Ausstattung des Campingplatzes können es aber auch bis zu 2000 € Jahrespacht sein. Wasser und Abwasser wird häufig pauschal abgerechnet, Strom nach Verbrauch. Dazu kommt eine Pauschale für Infrastruktur, Müllentsorgung usw. Als Richtwert kannst du mit 300 bis 400 € laufenden Kosten pro Monat rechnen. Sobald du einen Platz in die engere Wahl gezogen hast, können die Kosten exakt kalkuliert werden.

Rechtslage

Die Rechtslage für das dauerhafte Leben auf dem Campingplatz mit Hauptwohnsitz ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Die gesetzliche Grundlage bildet das deutsche Baurecht, welches zwar deutschlandweit gilt, dessen Auslegung jedoch von den einzelnen Bundesländern bestimmt wird. So kann es also sein, dass ein Wohnsitz in Bayern illegal ist, der in Schleswig-Holstein legal wäre – oder umgekehrt. Und selbst innerhalb eines Bundeslandes können, je nach Lage des Campingplatzes, Unterschiede bei der Auslegung der Gesetze bestehen.

Liegt ein Campingplatz innerhalb eines Wohn- oder Mischgebiets, ist die Anmeldung des Hauptwohnsitzes kein Problem. Die meisten Campingplätze liegen jedoch in den nach § 10 der Baunutzungsverordnung definierten Sondergebieten, die der Erholung dienen. Dauerhaftes Wohnen ist hier nicht erwünscht und entsprechend wird der § 10 so ausgelegt, dass dauerhaftes Wohnen auf einem Campingplatz nicht erlaubt ist. Aber eine Ergänzung in § 12 des Baugesetzbuchs gibt Hoffnung: Sie erlaubt den Gemeinden, eine Wohnnutzung in den Erholungssondergebieten zuzulassen.

Vielerorts werden Dauercamper mit Hauptwohnsitz stillschweigend geduldet. Denn der Schritt, den ersten Wohnsitz auf den Campingplatz zu verlegen, ist nicht immer romantischen Freiheitsgefühlen geschuldet, sondern häufig auch eine Kostenfrage. Viele Bewohner eines Wohnwagens konnten durch den Umzug auf den Campingplatz einer drohenden Obdachlosigkeit entgehen, und das ist den Behörden bekannt. Sie dulden die Dauercamper, obwohl diese nicht offiziell den Hauptwohnsitz dort anmelden dürfen. Vor Vertragsabschluss solltest du dir schriftlich bestätigen lassen, dass dauerhaftes Wohnen auf dem Platz erlaubt ist.

Ein kurioses Beispiel zeigt, wie, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, unerlaubtes Wohnen auf einem Campingplatz aufgedeckt wurde: Als während des Lockdowns im Frühjahr 2020 alle Campingplätze geschlossen wurden, benachrichtigte der Bürgermeister einer Kleinstadt in Hessen alle Dauercamper per Post über die anstehende Schließung. Etwa 20 Briefe konnten nicht zugestellt werden, da die offiziellen Meldeadressen nicht existierten. Die Bewohner wohnten unbefugt dauerhaft auf dem Campingplatz. Um Obdachlosigkeit während der Corona-Krise zu vermeiden, wurden die Bewohner dort geduldet.

Fazit

Der Hauptwohnsitz auf dem Campingplatz ist der Traum vieler Dauercamper. Bei der Auswahl eines geeigneten Campingplatzes ist neben der gewünschten Lage auch auf eine entsprechende Ausstattung und mögliche Serviceleistungen zu achten. Einige Plätze bieten extragroße und besonders ausgestattete Parzellen zum dauerhaften Wohnen in Mobilheimen und Wochenendhäusern an. Die Anschaffungskosten der Unterkunft variieren je nach Art, Größe und Zustand, die laufenden Kosten betragen monatlich etwa 300 bis 400 €. Die Rechtslage ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt.

Quellen

https://www.wohnung.com/ratgeber/2537/deutschland-darf-ich-meinen-wohnsitz-auf-einem-campingplatz-anmelden
https://www.caravaning.de/ratgeber/dauercamping-wieder-erlaubt-trotz-corona/
https://dejure.org/gesetze/BauNVO/10.html
ttps://dejure.org/gesetze/BauGB/12.html
https://paulcamper.de/magazin/wohnen-auf-dem-campingplatz/
https://www.modulheim.de/wohnen-auf-dem-campingplatz

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