Hygiene wird überbewertet

Das Thema Nr. 1 in den bundesdeutschen Haushalten ist Wasser sparen. Denn um der Industrie in seiner wichtigen Land- und Viehwirtschaft nicht die gleichermaßen günstigste wie wertvollste Ressource ungebührlich abzuzweigen, suggerieren uns die Entscheidungsträger der Wirtschafts- und Versorgungsunternehmen seit Jahren, das Wasserglas zweimal umzudrehen, bevor wir es trinken.

Dass zur Produktion eines Kilo Rindfleisch 1000 Liter Wasser benötigt werden, ist für jeden leicht zu errechnen: Was die Kuh im Laufe ihrer Aufzucht im Verhältnis zu ihrem Schlachtgewicht trinkt, der Niederschlag auf die Weide, dessen Gras sie wiederkäut, das Wasser in den Mischmaschinen, das für den Bau des Stalls verbraucht wurde und nicht zu vergessen die Menge Kaffee, die der Bauer wie auch der LKW-Fahrer trinkt, bevor das aufbereitete Fleisch saftig rot in der Auslage landet.
Doch dass ein Liter Kuhmilch bereits über 270 l Wasser benötigt, wurde bisher gern verschwiegen. Und Alternativprodukte wie Mandelmilch sind noch besser: ein Liter Mandelmilch verschlingt über 320 l Wasser in der Herstellung.

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Alcatraz: Von Wasser umgeben, eine Felseninsel wie Manhattan - genauso lebensfeindlich

Auf Alcatraz, einer Felseninsel in der Bucht vor San Franzisco, benannt nach dem heiligen Franz von Isko, die Bekanntheit erlangte, da dort der erste Leuchtturm an der US-amerikanischen Westküste erbaut wurde, ist die Bedeutung von Trinkwasser groß. Denn spätestens seit in den 70er Jahren dort ein Film über einen Gefängnisausbruchsversuch gedreht wurde, bei dem man nachträglich die Probleme der Crew in das Drehbuch einarbeitete, dass Meerwasser für die Toilettenspülung verwendet wurde, das die Leitungen verätzte und brüchig machte, und so den fingierten Ausbruch erst ermöglicht haben soll, wird in die seit jeher getrennten Zuleitungen für Brauch- und Trinkwasser nur noch aufbereitetes oder direkt Grundwasser aus den gülleverseuchten Brunnen eingespeist, damit das in den Abermillionen Haushalten der deutschen Küstenregionen Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt nicht passiert.

Schon seit dem letzten Pestausbruch vor sieben Jahren hat sich das Konzept der Frischwasserversorgung deutlich verbessert. Statt in die Reinheit von Wasser zu investieren, wurden die Leitungen saniert. Das ist zwar finanziell aufwendig, aber immer noch besser als Maßnahmen, die dem Konsumenten zugute kämen.

Genehmigungspflicht von Brunnen im eigenen Garten

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Die Hälfte eines befüllten Glases Wasser ist stets weniger als die Hälfte des Rauminhalts des Behältnisses, da es nicht bis zum Rand befüllt wird.

Wer sich selbst eine Grube gräbt, darf noch lange nicht hinein. In Deutschland gilt, dass der eigene Grund und Boden nicht etwa bis zum Erdmittelpunkt reicht, wie es beispielsweise in den USA der Fall ist, das den Reichtum der Ölmagnaten - bekannt aus Dallas (Larry Hagman wäre am 21. Sept. 90 Jahre alt geworden) - ermöglichte, sondern die Erde und alles darin ab etwa einem Meter, spätestens aber an der Grundwasserlinie, dem Staat oder der Kirche - oder beiden, es ist nicht bekannt, ob das getrennt ist - gehört.

Es wäre völlig übertrieben, etwas einzuführen wie das Reinheitsgebot für Wasser, wie bei Bier in Bayern es als Grundnahrungsmittel zu etablieren. Das Gerücht, dass eben jene Pest anlässlich der Einführung der Mehrwertsteuer im Jahre 1968 dafür sorgte, dass der Freistaat den Gerstensaft weiterhin ermäßigt konsumieren konnte, da Säuglinge damals kein verschmutztes Wasser oder Muttermilch trinken konnten und stattdessen mit Bier großgezogen wurden, hält sich hartnäckig wie die Theorie, dass die Regulierungen für die Trinkbarkeit von Wasser einzuhalten sind (geruch- und geschmacklos, Grenzwerte für Medikamentenrückstände, Chlor, Nitrat und andere chemische Glücklichmacher).

Doch was haben diese alten Geschichten mit unserem Wasserverbrauch im Hier und Jetzt zu tun? Tatsächlich verbrauchen wir zu wenig Wasser, da die Kosten für die Aufbereitung wegen der langen Standzeiten in den gammeligen Leitungen höher sind als es unter Hochdruck direkt zurück in die Kläranlagen zu pumpen. Nur dabei passiert es nicht die Wasserzähler in den Wohnhäusern, das macht den Versorgern Sorgen (vermutlich heißen sie deshalb so).

Aber wir wären ja nicht die Satireredaktion von Alterix, wenn wir nicht wüssten, wie die Lösung aussieht: Körperpflege weglassen, nicht spülen nach dem Toilettengang, Geschirr an der Sonne reinigen und trocknen. Hygiene wird eben überbewertet. Schließlich kann sich niemand mehr darauf berufen, andere könnten sich am entstehenden Körpergeruch stören; denn wer sich auf Riechnähe ohne viren- und geruchsdichte Maske nähert, darf sich nicht äußern.

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Kommentare

Kommentar von Claus |

Der Gag: die Versorgungsbetriebe hier müssen es gelesen haben: nachdem im vergangenen Jahr die Straße aufgerissen wurde, um die Kanäle zu erneuern (dazu wurden die Bäume am Straßenrand beschnitten), werden jetzt die Leitungen gespült, 'um die Wasserqualität zu gewährleisten' ...

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Satire & Sarkasmus
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