Ob Erbstück oder Lieblingsstück: Sofa restaurieren – ob es sich lohnt und wie es geht

Tagtäglich verbringen wir mehrere Stunden auf dem Sofa, um dort fernzusehen, zu lesen oder einfach zu entspannen. Das geht an dem Polstermöbel selten unbemerkt vorbei: Die Bezüge können verschmutzen und verblassen, Polsterungen lassen nach und Holzelemente werden unschön. Dann stellt sich die Frage: Soll ein neues Sofa gekauft werden oder kann das alte Sofa restauriert werden. Und wenn ja: Wie funktioniert das?

Inhaltsverzeichnis

Vorüberlegung: Wann lohnt sich das Aufarbeiten eines Sofas?

Bevor wir einen Überblick über die Elemente, die bei einem Sofa aufgearbeitet werden können geben und dann mit einer Schritt-für-Schritt Anleitung weitermachen, soll es zunächst um die Gretchenfrage gehen: Wann lohnt sich das Aufarbeiten eines Sofas?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten und hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst einmal geht es hierbei vor allem um zwei Aspekte:

  • Emotionen: Wie wichtig ist das Sofa? Handelt es sich um ein Erbstück oder einfach ein Lieblingsstück?
  • Qualität: Wie hochwertig ist das Sofa hergestellt? Handelt es sich um ein Billigsofa von der Stange oder um ein qualitativ hochwertiges Sitzmöbel?

Das Aufarbeiten eines Sofas ist immer mit einem hohen zeitlichen oder einem hohen finanziellen Investment verbunden. Daher geht es beim Sofa-Aufarbeiten meist um Erbstücke oder andere Lieblingsstücke. Das Sofa, das vielleicht noch von der Oma stammt und auf dem man früher gemeinsam Bücher gelesen hat, ist mit vielen Emotionen behaftet. Gleiches gilt für ein Polstermöbel, das in einem Urlaub gekauft und mit viel Mühe nach Hause transportiert wurde. Auch hochwertige Einzelstückanfertigungen sollten, wenn sie Gebrauchsspuren aufweisen, nicht einfach entsorgt werden. Denn sie sind qualitativ so hochwertig und meist auch zeitlos gestaltet, dass ein Aufarbeiten sich lohnt.

Anders sieht dies bei Billigsofas aus. Diese sind meist so einfach produziert, dass ein Aufarbeiten zumindest aus finanzieller Sicht sich nicht lohnt. Der Kauf eines neuen Sofas ist hier fast immer günstiger. Wer jedoch Freude an DIY-Projekten hat und über die entsprechende Zeit verfügt, kann natürlich auch solche Sofas aufarbeiten. Allerdings macht es keinen Sinn, ein Billigsofa von einem Fachbetrieb aufarbeiten zu lassen.

Sofa aufarbeiten: Selber machen oder machen lassen?

Das Sofa aufarbeiten kann entweder als DIY-Projekt durchgeführt werden oder durch eine Fachfirma. Was die richtige Wahl ist, hängt vor allem davon ab wie viel DIY-Erfahrungen man mitbringt: Wer bei DIY-Projekten an das Einschlagen eines Nagels in die Wand mit einem Hammer denkt, der sollte das Sofa-Aufarbeiten besser einem Fachbetrieb überlassen. Natürlich kann sich jeder bedenkenlos an der Aufarbeitung eines Billigsofas versuchen. Denn im schlimmsten Fall sind die eingesetzten Materialien vergeudet. Aber das Sofa wäre, ohne den versuch des Aufarbeitens, auch einfach entsorgt worden. Denn natürlich macht es – zumindest unter finanziellen Gesichtspunkten – keinen Sinn, ein Billigsofa von einem Fachbetrieb restaurieren zu lassen.

Außerdem stellt sich natürlich die Frage, welche Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Denn beim Aufarbeiten eines Sofas gibt es anspruchsvollere und weniger anspruchsvolle Arbeiten. Und schließlich ist natürlich ausschlaggebend, wie wertvoll ein Sofa ist. Handelt es sich um ein wirklich wertvolles Erbstück, dann ist es in fast allen Fällen sinnvoller, die Restaurierung durch einen Fachbetrieb ausführen zu lassen. Denn diese verfügen über ausreichend Erfahrung und können die notwendigen Materialien bei Spezialanbietern einkaufen.

Überblick: Was gehört alles zum Sofa Restaurieren?

Ein Sofa besteht aus einer Rahmenkonstruktion, einer Federung, einer Polsterung sowie einem Bezug. Jedes Element kann mit der Zeit Schaden nehmen und muss dann restauriert oder sogar ersetzt werden. Dementsprechend unterschiedlich sind die Aufgaben, die beim Sofa Restaurieren notwendig werden können. Und bei antiken Polstermöbeln, die etwa aus einem Nachlass erworben wurden, müssen manchmal gleich mehrere dieser Aufgaben ausgeführt werden. Das bedeutet natürlich einen sehr hohen Zeitaufwand und ein entsprechend hohes Budget.

Dies sind die wichtigsten Aufgaben, die beim Sofa-Aufarbeiten anfallen können:

  • Verschmutze Bezüge müssen gereinigt werden.
  • Beschädigte Bezüge müsse ausgebessert werden.
  • Alte oder stark beschädigte Bezüge müssen ersetzt werden.
  • Bei wackeligen Sofas muss die Statik überprüft werden und Verbindungen müssen aufgearbeitet werden.
  • Polsterungen müssen ersetzt werden.
  • Alte Federungen müssen ausgetauscht werden.
  • Schadhafte Stellen an sichtbaren Holzelementen werden ausgebessert.

Sofa neu beziehen: Anleitung für DIY-Projekt

Wie die Auflistung oben zeigt, ist die Liste potentieller Punkte, die bei einem Sofa restauriert werden müssen recht lang. Zu den beliebtesten DIY-Projekten zählt sicher das Neubeziehen eines Sofas. Das Besondere an diesem Sofa-Aufarbeiten Projekt: DIY-Neulinge können sich an einem Billigsofa ausprobieren und diesem mit einem neuen Bezug recht einfach einen neuen, individuellen Look verpassen.

Schritt 1: Auswahl des Stoffes und bestimmen des Materialbedarfs

Bei der Auswahl des Stoffes, das für den Bezug verwendet werden soll, muss auf dessen Materialeigenschaften geachtet werden. Es geht bei den Auswahlkriterien also nicht nur um die Optik. Wichtig sind vor allem auch Kriterien wie die Lichtechtheit des Stoffes, wie stabil der Stoff ist und wie gut er sich verarbeite lässt. Im Zweifelsfall sollte bei dem Anbieter nachgefragt werden, ob sich ein Stoff als Bezugsstoff für ein Sofa handelt.

Um zu ermitteln, wie viel Stoff benötigt wird, muss die sichtbare Menge des alten Bezugs gemessen werden. Natürlich müssen alle Bereiche gemessen werden: Also auch die Armlehnen und der Rücken. Dann wird eine Zugabe hinzugerechnet. Außerdem ist  wichtig zu überlegen, wie die einzelnen Teile, die zum Beziehen des Sofas verwendet werden, auf die Stoffbahnen passen. Dazu fertigt man am besten ein maßstabsgerechtes Muster der Stoffelemente für den Sofabezug an und schaut, wie diese auf die Stoffbahnen passen. Achtung: Stoffbahnen haben nicht immer die gleichen Breiten.

Schritt 2: Alten Bezug entfernen

Dieser Schritt ist optional: Gerade für DIY-Neulinge macht es mehr Sinn, den neuen Bezug über dem alten zu befestigen. Denn dann kann die Polsterung, die sich unter dem Bezug befindet, nicht verschieben. Soll aber die Polsterung ebenfalls ersetzt werden oder handelt es sich um ein wertvolles Sofa, dann sollte der alte Bezug zunächst entfernt werden. Denn anhand dieser kann der neue Bezug passend zurecht geschnitten werden.

Zum Abtrennen des alten Bezugs werden folgende Werkzeuge und Hilfsmittel benötigt:

  • Schere
  • Scharfes Messer wie Teppichmesser, Cuttermesser oder Skalpell
  • Zange: Flachzange oder Kombizange
  • Schraubendreher (flacher Kopf; kein Kreuzschlitz)
  • Filzstift

Zunächst werden die alten Bezüge entlang der sichtbaren Nähte eingeschnitten. Wurden die Bezüge zusätzlich mit Schrauben oder Polsternägeln befestigt, so können diese Fixierungen mit der Zange oder dem Schraubendreher gelöst werden. Jedes abgetrennte Bezugsteil sollte mit dem Filzstift markiert werden, damit das Zuschneiden sowie das Anbringen der neuen Bezugselemente leichter fällt.

Schritt 3: Stoffteile für neuen Bezug werden zugeschnitten

Die abgetrennten Elemente des alten Bezugs werden nun auf den neuen Bezugsstoff aufgelegt. Nun können die neuen Bezugsteile angezeichnet werden. Wichtig ist, dass hier eine Zugabe eingerechnet wird, die mindestens drei Zentimeter beträgt. Im Zweifelsfall sollte diese Zugabe lieber großzügiger bemessen sein. Denn: Nachträglich abschneiden geht immer!

Wurde der alte Bezug nicht entfernt, so müssen die Bezugselemente anhand der Muster auf den neuen Stoff übertragen werden, die angefertigt wurden. Wichtig: Die maßstabsgerechte Übertragung besser doppelt nachrechnen.

Schritt 4: Vernähen der Einzelteile des Bezugs und Befestigung

An den Stellen, an denen sich beim Alten Bezug Nähte befanden, werden die einzelnen Elemente nun auch wieder vernäht. Dies erfolgt mit einer Nähmaschine und einem stabilen Garn. Danach werden die Bezugselemente an dem Korpus des Sofas befestigt. Hierzu werden Polsternägel verwendet. Bei diesem Schritt ist es wichtig darauf zu achten, dass die Polsterung straff und faltenfrei befestigt wird.

Auswahl des Bezugsstoffes: Worauf gilt es zu achten?

Die Wahl des Bezugsstoffes ist natürlich vor allem eine Geschmacksache. Denn Stoffe gibt es in allen erdenklichen Farben mit und ohne Muster. Allerdings sollte die Auswahl des Stoffs für das Sofa Aufarbeiten nie losgelöst von sonstigen Aspekten erfolgen. Schließlich soll das Sofa später zu den anderen Möbelstücke, dem Teppich und der Wandfarbe in dem Raum passen, in dem es stehen wird.

Neben der Entscheidung für Farbe und Muster gibt es auch noch die Frage nach dem Material zu klären. Denn auch hier die Auswahl riesig: Ein Lederbezug strahlt Eleganz aus, ist aber nicht für jedes Sofamodell geeignet. Baumwolle, als reines Naturprodukt, ist angenehm pflegeleicht. Samst besitzt einen weichen, eleganten Glanz, ist aber anfällig. Und Chenille ist relativ pflegeleicht und robust trotz der samtartigen Oberfläche. Das sind nur einige wenige Beispiele für die unterschiedlichen Vor- und Nachteile von Bezugsstoffen für Sofas.

Bei der Auswahl des passenden Stoffes für den Bezug sollte – neben den Geschmacksfragen – insbesondere auf die Angaben zu den so genannten Schleudertouren geachtet werden. Schleudertouren ist das Maß für die Abriebfestigkeit. Über die Angaben zu den Schleudertouren kann definiert werden, wie haltbar und belastbar ein Stoff ist:

  • 000 Schleudertouren: Einsatz in privaten Haushalten; geeignet für geringen Gebrauch
  • 000 Schleudertouren: Einsatz in privaten Haushalten; Geeignet für den regelmäßige Gebrauch
  • 000 Schleudertouren: Sehr belastbar, daher selbst für den regelmäßigen gebrauch in öffentlichen Räumen geeignet

Alternative zum Sofa aufarbeiten

Wem das Aufarbeiten des Sofas zu aufwändig und kompliziert ist, der kann das Restaurieren des Sofas von Fachleuten übernehmen lassen. Allerdings ist dies mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Es ist daher sinnvoll vorab ein Kostenangebot von mehreren Anbietern einzuholen. Wem die Kosten dennoch zu hoch sind, vielleicht weil das Sofa in der Anschaffung nicht so wertvoll war, der wird wahrscheinlich ein neues Sofa erwerben. Doch auch dann kann nachhaltig gehandelt werden: In den meisten Städten und Gemeinden gibt es Sozialläden, die gebrauchte Möbelstücke aufbereiten und – meist gegen eine kleine Schutzgebühr – an sozial Bedürftige abgeben. So wird das Sofa weiter genutzt und einem anderen Menschen oder einer anderen Familie auch noch eine Freude bereitet.

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