Kuren im Badezimmer

Du kannst zu Hause viele Anwendungen, welche die Gesundheit fördern, durchführen – fast wie in einem Kurhotel. Besonders Kneippkuren, Moor- und Solebäder im heimischen Badezimmer erfreuen sich großer Beliebtheit und sind leicht zu machen.

Zu Hause Kneippen mit Kneippgüssen und Waschungen

Kneippgüsse und -waschungen kannst du am ganzen Körper vornehmen. Es geht um einen Kältereiz, daher soll der Körper bei der Anwendung warm sein und es muss eine angenehme Umgebungstemperatur herrschen. Das kalte Wasser sollte eine Temperatur von minimal 15 Grad Celsius haben, warmes Wasser sollte nicht heißer als 39 Grad Celsius sein. Bei Wechselgüssen liegt der optimale Temperaturunterschied bei 20 Grad. Geringere Unterschiede sind angenehmer, erzielen aber auch eine geringere Wirkung.

Egal ob Waschung oder Guss, der Körper soll schnell und gleichmäßig mit einem Wassermantel überzogen werden. Montiere daher den Brausekopf ab und gieße das Wasser direkt aus dem Schlauch auf deinen Körper. Für eine Waschung benötigst du ein Leinenhandtuch. Generell wird jede Anwendung auf der rechten Körperseite begonnen und soll zügig durchgeführt werden.

Bei Wechselgüssen beginnst du mit warmem Wasser und gehst dann zu kaltem über. Für einen Wechselguss beider Unterschenkel gilt: 30 Sekunden warm, 10 Sekunden kalt, 30 Sekunden warm und 10 Sekunden kalt. Bei Armgüssen gießt du 30 Sekunden mit warmem und 15 Sekunden mit kaltem Wasser.

Beispiel für einen Armguss:

  1. Stelle dich vor die Bade- oder Duschwanne, du kannst den Unterkörper zusätzlich mit einem Handtuch schützen, denn er soll nicht nass werden.

  2. Stelle das Wasser an, es soll sanft aus dem Brauseschlauch fließen.

  3. Beuge den Oberkörper über den Wannenrand und nimmt das Schlauchende in die linke Hand. Lassen den rechten Arm locker in die Badewanne hängen.

  4. Gieße nun das Wasser über den rechten Handrücken, führe den Schlauch hoch bis zur Schulter, verweile dort etwa 5 Sekunden bis du ihn an der Innenseite des Armes abwärts führst.

  5. Nimm dann den Schlauch in die rechte Hand und begieße den linken Arm wie beschrieben.

Beispiel für einen Oberkörperwaschung:

  1. Heize das Bad auf und entkleide lediglich den Oberkörper.

  2. Falte das Leinenhandtuch auf Handgröße und tauche es in kühles Wasser.

  3. Drücke es aus, damit es nicht tropft. Nimm es in die linke Hand.

  4. Führe das Tuch in drei Strichen von der rechten Hand bis zur Schulter.

  5. Fahre dann über den Hals, die Brust und den Bauch bis zur Nabelhöhe.

  6. Nehme das Tuch in die rechte Hand, um den linken Arm wie zuvor den rechten zu waschen.

Sobald das Tuch warm wird, wende es. Wenn nötig, tauche es erneut ein.

Wassertreten macht fit und schöne Beine

Im Vergleich zu Kneippgüssen und Waschungen ist Wassertreten eine einfache Anwendung. Du brauchst lediglich ein Gefäß, in dem du bis knapp unter dem Knie im Wasser stehen kannst. Je nach Körpergröße ist ein Wasserstand von 35 bis 45 cm optimal. Du kannst überall wassertreten: in einer Badewanne oder in einem kleinen Pool, aber natürlich auch in Bächen oder an einem Seeufer.

Wichtig ist ein Storchengang, egal ob du dabei vorankommst oder auf der Stelle trittst. Hebe das rechte Bein und winkle es dabei im Knie an. Du musst es so hochheben, dass der rechte Fuß über die Wasseroberfläche gelangt. Dann setze ihn wieder ab und führe die Bewegung mit dem linken Bein aus. So geht es im Wechsel, bis das Wasser dir unangenehm kalt erscheint.

Steige aus dem Becken und streife das Wasser ab, ohne ein Handtuch zu nutzen. Bewege dich bis die Füße wieder warm sind.

Wassertreten wirkt erfrischend und lindert Nervosität, Stress und Erschöpfung. Es hilft gegen müde Beine und sorgt dafür, dass die Beine bei Hitze nicht übermäßig anschwellen.

Hinweis

Alle Badekuren kannst von der Grundidee her zu Hause durchführen. Die Heimanwendung reicht aber natürlich nicht an die professionellen Anwendungen, wie z.B. in einer Kureinrichtung heran.

Ein Moorbad enthält Nährstoffe, von denen angenommen wird, dass sie durch die Haut aufgenommen werden.

  • Magnesium wirkt krampflösend und entspannend.
  • Kalzium stärkt die Knochen.
  • Eisen hilft, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin herzustellen, der für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich ist.
  • Kupfer wirkt entzündungshemmend und kann rheumatische Erkrankungen lindern.
  • Kieselsäure regt die Durchblutung und den Stoffwechsel der Haut an
  • Huminsäure bindet überschüssige Stresshormone und soll außerdem antiviral und antibakteriell wirken.

Lass dich nicht irritieren, ein ausgetrocknetes Moor wird als Torf bezeichnet. Daher wirst du oft auf den Begriff „Badetorf“ stoßen, wenn es um Moorbäder geht. In Kureinrichtungen verwendeter Torf ist dickflüssig und speichert die Wärme des Wassers besonders gut. Die Badetemperatur beträgt oft 40 Grad, um ein Heilfieber auszulösen. Das Moorbad für die Heimanwendung ist dünnflüssiger, da ein normaler Badewannenabfluss von einem dickflüssigen Moorbad verstopfen würde.

Fango ist ein mineralischer Heilschlamm, der ähnliche Inhaltsstoffe wie ein Moorbad enthält, aber keine Huminsäure. Den Schlamm kannst du zu Hause nicht auftragen, denn das Abspülen in der Badewanne verstopft den Abfluss. Außerdem fehlt es in der Regel an der Ausrüstung, denn üblicherweise liegst du mit Schlamm bedeckt auf einer dafür vorgesehenen Liege.

Solebäder enthalten wasserlösliche Salze, meist überwiegen Kochsalz. Das Salz stammt entweder aus dem Meer oder unterirdischen Salzlagern, die auch Kurorte nutzen. Du kannst aber auch normales Kochsalz verwenden.

  • Salzbäder sind gut für die Haut, sofern du nicht unter trockener Haut leidest.
  • Sie lindern Schuppenflechte, Neurodermitis oder allergische Hautreaktionen.
  • Das Bad im salzigen Wasser regt den Stoffwechsel an. Dies soll das Immunsystem fördern.
  • Die Bäder sind außerdem eine Wohltat bei Atemwegserkrankungen.

Solebäder kannst du problemlos zu Hause anwenden. Sie werden dir guttun, wenn du einen Aufenthalt am Meer, in Salinen oder in Salzgrotten gut verträgst.

Grenzen der Kur im eigenen Badezimmer

Kneippgüsse, Waschungen und Wassertreten können zu einem plötzlichen Abfall des Blutdrucks und Schwindel führen. Du solltest daher besser die Anwendungen zumindest zu Beginn nicht ausführen, wenn du alleine bist. Beim Wassertreten besteht außerdem die Gefahr, dass du ausrutschst. In Kurbetrieben ist fachkundiges Personal dabei, das sofort eingreift, wenn du zu stürzen drohst. Es spricht ansonsten nichts gegen Kneippanwendungen im eigenen Badezimmer. Sie sind genauso wirksam wie in einer Kureinrichtung.

Dichte Packungen mit Fango oder Moorschlamm, die du im Handel erhältst, eignen sich als Wärmekissen. Diese haben den Vorteil, gut die Wärme zu speichern und sich dem Körper anzupassen. Heilende Inhaltsstoffe geben dichte Packungen nicht ab. Daher kannst Du ein Moorkissen oder eine Fangopackung für die Heimanwendung nicht mit Fango oder Moorbad in einer Kurklinik vergleichen.

Ein Moorbad für die heimische Badewanne ist, wie bereits erwähnt, dünnflüssiger als die Bäder in Kureinrichtungen. Außerdem wird ausdrücklich geraten, es bei niedrigeren Temperaturen durchzuführen. Einige Fachärzte warnen sogar vor der Anwendung in Eigenregie. Im professionellen Moorbad steigt die Körpertemperatur auf 38 °C in einer Moorpackung sogar auf 40 °C. Dies wirkt wie ein Fieber und ist aus diesem Grund bei einer akuten Entzündung empfehlenswert, darf aber niemals während eines Rheuma-Schubes, bei aktivierter Arthrose, Tumoren oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung angewendet werden. In einer Kurklinik wird vor der Anwendung abgeklärt, ob sie für dich geeignet ist.

Solebäder sind ebenfalls nicht völlig unproblematisch. Wenn du unter niedrigem Blutdruck leidest, solltest du darauf verzichten. Bei Neurodermitis liegen Nutzen und Schaden eng zusammen. Ein kurzes Salzbad wirkt Entzündungen der Haut entgegen, längere Bäder verschlimmern die Symptome, da sie die Haut austrocknen.

Während Kneippanwendungen in der Regel gut verträglich und einfach durchzuführen sind, sieht es bei Badekuren anders aus. Du solltest die Bäder erst nach Rücksprache mit deinem Arzt durchführen und dir darüber im Klaren sein, dass sie nie so wirksam sind wie in einer Kurklinik.

Du kannst Waschungen und Güsse sowie Wassertreten nach Kneipp zu Hause durchführen. Außerdem gibt es Zusätze für Badekuren, die sich aber deutlich von professionellen Badekuren unterscheiden.

Da jedes Vollbad die Haut auslaugt, solltest du maximal zweimal in der Woche für 15 bis 20 Minuten ein Bad nehmen. Bei Hautschäden ist eine kürzere Badezeit angebracht.

Die Zusammensetzung des Naturprodukts Moor unterscheidet sich je nach Fundstelle erheblich. Auch sind die Bestandteile erst zum Teil analysiert und unter Medizinern ist umstritten, ob die Inhaltsstoffe eine Wirkung haben. Einig sind die Experten, dass die im Moorbad gespeicherte Wärme und der "Schwebeeffekt" Beschwerden der Gelenke lindern.

Solebäder, egal ob du Kochsalz oder spezielle Meersalze verwendest, lösen Hautschuppen und wirken desinfizierend. Da Salzwasser besser trägt als Leitungswasser, genießt du außerdem ein schwereloses Gefühl beim Bad. Ein Solebad verbessert das Hautbild, lindert Gelenkbeschwerden und trägt allgemein zum Wohlbefinden bei.

Jede Wirkung kann einen positiven oder negativen Einfluss auf den Körper haben. Generell solltest du Extreme, wie sehr warme oder sehr kalte Anwendungen nur unter medizinischer Aufsicht durchführen.

Quellen

https://www.kurkliniken.de/blog/kneipp-anwendungen-guesse.html
https://www.kurkliniken.de/blog/kneipp-anwendungen-knieguss-und-schenkelguss.html
https://www.kneipp.com/ch_de/kneipp-magazin/kneipp-anwendungen/oberkoerper-waschung/
https://kneipp.ch/das-ist-kneippen/anwendungen/kalten-waschungen-wirkungen-voraussetzungen-durchfuehrung/
https://www.kneippbund.de/fileadmin/user_upload/kneipp-bund/dokumente/download/gesundheitstipps/wasser/Wassertreten.pdf
https://utopia.de/ratgeber/moorbad-wirkung-und-anwendung-bei-verschiedenen-beschwerden/
https://www.gesund-vital.de/fango
https://www.internisten-im-netz.de/aktuelle-meldungen/aktuell/moorbaeder-nicht-zu-hause-in-eigenregie-anwenden.html

 

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