Wiese statt Rasen – gar nicht schwer!

Du wirst dich wundern, mit wie wenig Aufwand eine Wiese zu pflegen ist und wie gut du diese nutzen kannst.

Der typische Rasen - viel Aufwand, wenig Natur

Ein schöner grüner Rasen erfordert sehr viel Arbeit und belastet zusätzlich die Umwelt. Rasen besteht aus einer konkreten Auswahl von aus Gräsern, deren Wurzeln und Ausläufer eine dichte Vegetationsschicht bilden. Es handelt sich um eine Monokultur, die du beständig vor „Fremdbewuchs“ schützen musst. Außerdem verbrauchen die dicht stehenden Pflanzen extrem viele Nährstoffe, daher ist Düngen erforderlich. Du führst einen permanenten Kampf gegen natürliche Prozesse und trotzdem sieht dein Rasen oft nicht so schön aus, wie du es dir wünschst.

Bereits kurz nach dem Winter sind die ersten Maßnahmen nötig. Es sind abgestorbene Pflanzen mit einem Vertikutierer zu entfernen, an kahlen Stellen neue Samen auszubringen und eventuell ist mit einen Aerifizierer für eine Durchlüftung der Wurzeln zu sorgen. Ferner ist die erste Düngegabe im Jahr erforderlich. Da du bei der Pflege größere Mengen an pflanzlichem Material entfernst, das nach und nach zu Humus würde, entziehst du dem Boden auf diese Art zusätzlich Nährstoffe. Leider schadet Dünger vielen Kleinlebewesen, manche Sorten, die den Rasen auch unkrautfrei halten sollen, sind sogar giftig für Säugetiere. Eichhörnchen und Katzen sind besonders gefährdet.

Vom Frühjahr bis zum Herbst ist regelmäßiges Mähen angesagt. Bei trockener Witterung braucht ein Rasen viel Wasser. Kurz vor dem Winter ist eine erneute Düngung erforderlich und oft muss auch nochmals stellenweise Gras ausgesät werden. Das Entsorgen des Grasschnitts ist ein Problem, wenn du größere Mengen auf den Kompost gibst, beginnt das Gras zu faulen. Es rottet nur, wenn es locker im Wechsel mit luftigen Abfällen wie Strauchschnitt liegt. Als Futter für Kleintiere ist es wegen der intensiven Düngung nicht geeignet.

Wenn du es versäumst, verfilzte Pflanzenmasse zu entfernen, bildet sich schnell Moos im Rasen. Ohne Düngung werden sich Pflanzen ansiedeln, die weniger Nährstoffe brauchen. Wir der Rasen nicht ausreichend gewässert, verdorren die Gräser. Sie erholen sich danach nur schwer und werden meist von Unkraut verdrängt.

Genau betrachtet ist ein Rasen eine eher langweilige Grünfläche, auf der es weder Blüten noch Insekten gibt. Auch sind nur wenige Bodenorganismen unter solchen Grünflächen vorhanden. Er eignet sich auch nur bedingt für Freizeitaktivitäten, denn das Gras braucht längere Erholungsphasen, wenn es belastet wurde.

Wiese - lebendig und voller Leben

Im weiteren Sinn ist eine Wiese eine Grünfläche, auf der Gräser und Kräuter wachsen. Es gibt also kein Unkraut auf der Wiese, denn alles, was wächst, ist willkommen. Natürlich darfst du eine Wiese nach Belieben mähen, aber du solltest an einigen Stellen auch einen sehr hohen Bewuchs zulassen. Ganz ohne Mähen geht es nicht, sonst wird eine Wiese zu Strauchsteppe und nach Jahrzehnten zu einem Wald.

Vertifizieren, Aerifizieren, Düngen und Wässern entfallen aber gänzlich, daher siedeln sich auf den Flächen von ganz alleine die Pflanzen an, die mit dem Standort perfekt auskommen. Du wirst Schwachzehrer wie Löwenzahn auf deiner Wiese antreffen, meist auch Spitz- und Breitwegerich, Klee und Gänseblümchen sowie Wiesen-Schaumkraut, Schafgarbe und Hahnenfuß. Das Wetter, die Licht- und Bodenverhältnisse bestimmen über den Wuchs auf deiner Wiese.

Wenn Du die Fläche nicht für Freizeitaktivitäten nutzen willst, reicht es zweimal im Jahr, in der Regel im Früh- und im Hochsommer zu mähen. In dem Fall ist ein kräftiger Balkenmäher erforderlich. Meist soll die Wiese aber auch als Fläche für Spiel, Sport und Entspannung dienen. Mähe sie also bei Bedarf etwa alle drei Wochen nicht zu kurz ab. Sinnvollerweise lässt du Randbereiche oder Inseln beim Mähen aus, damit sich dort die Vegetation voll entwickeln kann. Dort mähst Du zweimal im Jahr mit einem Rasentrimmer.

Die Wiese ist nicht nur pflegeleicht, sie ist auch ein Ort voller Leben. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind in ihr Zuhause. Auch Mäuse, Maulwürfe und Igel finden hier einen Lebensraum.

Unterschied Wiese und Rasen im Überblick

Ob du eine Wiese oder einen Rasen im Garten hast, wirkt sich auf den Boden, die Ökologie und auch auf deinen Geldbeutel sowie den Arbeitsaufwand aus. Die Entscheidung für die Wiese bedeutet, du sparst Zeit und Geld. Außerdem sorgst du für Artenvielfalt.

Auf einer Wiese werden sich in nährstoffarmen Boden überwiegend Schwachzehrer ausbreiten. Da du keinen Filz entfernst, bildet sich nährender Humus. Nach einigen Jahren siedeln sich auch Pflanzen an, die mehr Nährstoffe benötigen. Es entsteht eine natürliche Kulturfolge, daher wechselt das Erscheinungsbild einer Wiese über die Jahre.

Um ein Rasenstück von 100 Quadratmetern korrekt zu pflegen, wirst du jährlich etwa 100 bis 200 Euro für Dünger, Unkrautvernichter, Wasser und den Betrieb des Rasenmähers ausgeben müssen. Die Pflege kostet dich circa 100 Stunden. Eine gleichgroße Wiese musst du lediglich mähen. Der Rasenmäher benötigt Energie und du musst ihn warten. Das kostet dich etwa 5 bis 6 Euro im Jahr. Du wirst nur circa 8 bis 10 Stunden für die Pflege aufwenden müssen.

  Rasen Wiese
Boden Boden laugt aus, daher ist regelmäßiges Düngen erforderlich Da der Bewuchs sich dem Boden anpasst, erholt er sich automatisch
Flora Monokultur aus wenigen Grassorten Große Vielfalt an unterschiedlichen Pflanzen
Fauna Fast keine Bodenlebewesen und Insekten Große Artenvielfalt im Boden und darüber.
Kosten Je Quadratmeter ist mit 1 - 2 Euro pro Jahr für Wasser, Dünger, Unkrautvernichter und Mähen zu rechnen Maximal 5 bis 6 Cent für das Mähen pro Quadratmeter und Jahr
Arbeitsaufwand Entfilzen, Lüften, Düngen und Mähen erfordern etwa eine Stunde im Jahr pro Quadratmeter 2 bis 4-maliges Mähen ist mit etwa 5 Minuten pro Quadratmeter im Jahr anzusetzen.

So robust ist eine Wiese

Viele Gartenbesitzer gehen davon aus dass eine Wiese sich nicht als Spielfläche eignet, dabei ist das Gegenteil der Fall, wie einige Beispiel belegen.

Für ein Dorffest wurde vor dem Ort eine Wiese auf etwa ein Zentimeter Höhe gestutzt, um ein Zelt und Biertischgarnituren aufzubauen. Beim Auf- und Abbau befuhren sogar Traktoren und Lieferwagen die Grünfläche. Nach dem 3-tägigen Fest war diese braun und unansehnlich.

Nach nur einer Woche zeigte sich wieder sattes Grün und etwa 14 Tage später war eine wunderschöne Blumenwiese daraus geworden.

Wenn du eine Wiese hast und diese vor einer zu erwartenden Belastung kräftig zurückschneidest, brauchst du dir keine Gedanken zu machen, dass du ihr schadest. Selbst ohne Rückschnitt wird sie sich erholen, allerdings kannst du erst im nächsten Frühjahr wieder mit einheitlichem Grün rechnen.

Kinder brauchen keinen Spielrasen

Die Kleinen brauchen einen Platz zum Toben, Sie möchten vielleicht ein Indianerzelt aufbauen oder eine Hüpfburg. An heißen Sommertagen soll vielleicht ein Planschbecken auf der Fläche stehen, denn Abkühlung tut not. Solche Aktivitäten machen einem Rasen erheblich zu schaffen und du wirst noch Monate sehen, wo Hüpfburg oder Becken standen. Entweder du schränkst die Spielfreude der Kinder ein oder du nimmst Abstriche bei der Qualität des Rasens hin.

Für eine Wiese ist das alles kein Problem. Mähe sie auf eine Höhe von etwa 5 cm ab, bevor Kinder darauf spielen sollen. Es bleiben genug Blumen zurück, welche die Fläche interessant machen und auch eine Gelegenheit bieten, ein paar Blumen zu pflücken. Gleichzeitig schadet es nicht, wenn die Fläche betreten wird. Auch Fußballspielen nimmt das Grün nicht übel. Natürlich hinterlassen Hüpfburgen und Planschbecken auch auf der Wiese Spuren. Aber da die Wiese ohnehin nicht einheitlich ist, fällt das nach wenigen Tagen kaum noch auf.

Da du nicht düngst und auch kein Unkrautvernichter verwendet wird, dürfen auch Kaninchen oder Meerschweinchen das Gras fressen. Du kannst also getrost ein Gehege für Nager aufstellen. Sicher haben Kinder hier mehr Spaß als auf einen Spielrasen.

Der einfache Weg vom Rasen zur Wiese
Hast du Lust bekommen, deinen Rasen in eine Wiese zu verwandeln? Dann sieht deine Gartenarbeit bald so aus.

  • Im ersten Herbst ist noch mal etwas schwere Arbeit gefragt, denn du solltest den Rasen ein letztes Mal vertikutieren. Dabei entfernst du Verfilzungen und lockerst die oberste Bodenschicht leicht auf. So sorgst du für optimale Bedingungen, dass sich Wildkräuter ansiedeln können.
  • Freue dich über kahle Stellen, denn hier ist genügend Platz für die Pflanzen, die im Rasen als Unkraut gelten. Lockere dort die Erde etwas auf. Wenn du magst, kannst du als Starthilfe im Frühjahr eine Wildblumenmischung aussäen.
  • Mähe ab März ausschließlich die Bereiche, die du regelmäßig betreten wirst. Nutze einen Grasfangkorb und stelle eine Schnitthöhe von etwa 5 cm ein.
  • Im Juni erfolgt das Mähen der gesamten Fläche, je nach Größe mit einem Balkenmäher oder einem Fadenmäher. Lasse das Schnittgut liegen und wende es nach zwei Tagen. Nach einer Woche ist es trocken und du kannst es zusammenrechen. Es eignet sich als Nagerfutter.
  • Wenn es ausreichend regnet, steht das Gras im Hochsommer wieder ausreichend hoch, um es erneut zu mähen. In trockenen Sommern ist kein weiterer Schnitt erforderlich. Verfahre mit dem Schnittgut wie beschrieben.
  • Gieße nicht, egal wie trocken es ist. Auch wenn alles welk ist, beim nächsten Regen sprießt es wieder. Verzichte auf jede Art der Unkrautbekämpfung oder Düngung, nur so kann eine natürliche Auswahl der Pflanzen stattfinden.

Du hast nun eine Wiese, die du wie eine Rasenfläche nutzen kannst, die aber außer Mähen keinerlei Arbeit macht. Sie wird im Wechsel der Jahreszeiten und der Jahre immer wieder anders aussehen.

tlichem Grün rechnen.

Wenn du zu früh mähst, konnten Kräuter und Gräser noch keine Samen bilden. Die Fläche verliert an Artenreichtum.

Zum einen sorgst du dafür, dass mehr Samen auf der Wiese verbleiben. Zum anderen verhinderst du so, dass dein selbst gemachtes Heu zu warm wird. Im feuchten Heu finden Prozesse statt, die Wärme freisetzen. Diese kann nicht entweichen, wenn das Heu zu kompakt liegt.

Kurzfristig kannst du durch das Aussäen von Wildblumen das Aussehen der Wiese verändern. Langfristig setzen sich die Blumen durch, die mit dem Boden und dem Klima zurechtkommen.

Die Maßnahmen verändern die natürlichen Verhältnisse. Das heißt, die Pflanzen, die auf Wasser und Dünger angewiesen sind, verdrängen die anderen. Du wirst ständig wässern und düngen müssen, um den Bewuchs zu erhalten. Sobald du nicht mehr gießt und düngst, setzen sich aber wieder die natürlich vorkommenden Gewächse durch.

Moos bildet sich meist nur in einem kurz geschorenen Rasen, also wirst du damit kaum ein Problem bekommen. An dunklen, feuchten Stellen, an denen nicht anderes wachsen kann, könnte sich Moos zeigen. Freue dich über das Grün, wo sonst nichts wächst.

Quellen

https://www.meine-rasenwelt.de/rasenpflege
https://klexikon.zum.de/wiki/Wiese

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